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Efeu kann Mauern schützen

Eine Studie von dem Oxford Rock Breakdown Laboratory

© Wilfried Engesser

Im Mai 2010 wurde eine für Efeufreunde sehr interessante Studie der Universität Oxford veröffentlicht. Diese Studie wurde sehr sorgfältig über drei Jahre hinweg an Mauern und historischen Gebäuden in fünf verschiedenen Gebieten in England durchgeführt. Angeleitet wurde die Studie von dem Oxford Rock Breakdown Laboratory der Schule für Geographie und Umwelt.(Oxford Rock Breakdown Laboratory)



Dabei standen die fünf folgenden Schlüsselfragen im Vordergrund:

In welchem Ausmaß vermag Efeu das Mikro- bzw. Makroklima einer steinigen Maueroberfläche verändern und sind diese Veränderungen von Vorteil?

• Was bewirken die Haftwurzeln in physikalischer und chemischer Sicht?

• Unter welchen Umständen dringen Efeuwurzeln in eine Wand ein?

• Stellen Efeuwurzeln im Boden ein Problem dar?

• Wie geht man am besten mit Efeu an einer Wand um?

Für die von Professor Heather Viles geleitete Untersuchung wurden naturwissenschaftliche Methoden eingesetzt. So wurde mit elektronischen Thermometern und Hygrometern sowie Datenloggern die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit über und unter der Efeubedeckung gemessen und mit den Verhältnissen einer unbewachsenen Mauer verglichen.

Das Ergebnis war,
dass eine solche Efeuwand, wie das auch schon früher vermutet wurde, tatsächlich besser vor tiefen und wechselnden Temperaturen geschützt ist was für die Mauer selbst günstig ist.
So waren diese Efeuwände im Winter um bis zu 15% wärmer als die Umgebung und im Sommer kam es zu einer Kühlung bis zu 36%.

Dies gilt vor allem für intakte Wände, während bei bereits beschädigten Wänden durchaus die Gefahr besteht, dass Efeu hier in bereits vorhandene Ritzen eindringt und dann für größeren Schaden sorgen kann.

Eine intakte Efeuwand schützt auch vor Verschmutzungen aus der Luft und hält Salze von der Mauer ab.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass efeubewachsene Wände durchaus ihre guten Seiten haben.
Da ist zum einen natürlich das attraktive Aussehen insbesondere von historischen Gebäuden wie es sie insbesondere in England in großer Zahl gibt und die über Hunderte von Jahren zusammen mit Efeu der Witterung trotzten. Ein schönes Beispiel ist hier die mittelalterliche Stadtmauer in Oxford, die man unter folgender Adresse auch auf einem virtuellen Rundgang betrachten kann, zusammen mit vielen alten Efeupflanzen:
Mittelalterliche, efeubewachsene Stadtmauer in Oxford



Hier wird auch davon abgeraten, den Efeubewuchs nur in Maßen und gezielt zu entfernen.


Wie lässt sich diese Studie nun auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen?
Auch hier sollte man aus den genannten Gründen mit dem Entfernen des Efeubewuchses sparsam umgehen. Dazu kommt, dass ein entfernter Efeubewuchs aufgrund der noch an der Mauer lange anhaftenden Haftwurzeln nicht gerade ein schöner Anblick ist. Bei einer relativ neuen und intakten Hauswand sollte man aber darauf achten, dass es keine Vertiefungen und Ritzen gibt, in die der Efeu bevorzugt hineinwächst. Insbesondere die Dachrinne und das Dach selbst sind dann Stellen, wo diese Gefahr besteht.
Etwa einen halben Meter unterhalb des Dachbeginns könnte man den Efeu alle zwei Jahr einkürzen. Hält man sich an diese Regel so ist man auf der sinnvollen Seite. Zum einen hat man eine schmucke Efeuwand mit vielen Vorteilen - zum anderen besteht nicht die Gefahr, dass Efeu eine Mauer zerstört - wie das eine leider weit verbreitete Meinung glauben macht.

Dieser Beitrag erschien bereits auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur


Anmerkung von Hydrotip:

Wer träumt nicht von einem Schloss oder einer alten Villa, die mit Efeu bewachsen sind?
In unserer großen Bildersammlung gab es zwar viele Bilder mit Efeu, aber nur sehr wenige, die für die Illustration dieses Beitrages geeignet waren.
So machten wir uns auf die Suche nach geeigneten Objekten hier in Berlin. Dabei mußten wir feststellen, daß gerade die alten Villen kaum mit Efeu bewachsen sind. Viele sind erst vor wenigen Jahren renoviert worden, und da wurde eben der gesamte Bewuchs entfernt. An vielen neueren Häusern dagegen gibt es neuen Bewuchs, der aber noch nicht das gesamte Haus einhüllt.
An sehr vielen Häusern wächst dagegen aber "Wilder Wein".

Berlin, den 20. August 2011

Lesen Sie bitte auch diesen Beitrag über den Mythos Efeu


Unsere gesammelten Efeu-Bilder mit vielen Sortennamen finden Sie in dieser Galerie.

Bilder © hydrotip.de


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