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Kakteen in Hydrokultur - Funktioniert das?

"Das geht nicht", ist eine landläufige Meinung. Aber es funktioniert doch, wenn es richtig gemacht wird. An ihrem natürlichen Standort wachsen viele Kakteen nicht anders als die in Hydrokultur. Die Wurzeln wachsen in oberflächlich trockenen Böden wie Sand, Kiesel oder Stein. Die Feuchtigkeit ziehen sie aus tieferen Schichten.

Wichtig ist, daß das Substrat den Kakteen den nötigen Halt gibt.

Das ist sehr wichtig bei großen Kakteen, besonders bei Säulenkakteen. Bei diesen empfiehlt es sich Lava als Substrat an, aufgrund des hohen Eigengewichtes, zu verwenden. Die Wurzeln selbst sollen nicht zu tief in die Nährlösung hineinreichen. Aus diesem Grund ist es besser hohe Kulturtöpfe zu verwenden. Kakteen sind meist Wüstenbewohner und lieben es eher trocken. Eine Ausnahme bilden die epiphytisch wachsenden Blattkakteen wie der Zygocactus (Schlumbergera) oder Epiphyllum, sie wachsen meist in tropischen Regenwäldern.

Für die Wüstenbewohner ist also ein zu hoher
Nährlösungsstand oft tödlich.

Mir ist deshalb unverständlich warum Kakteen in Hydrokultur, in sogenannten Fachbetrieben, in den niedrigen Minitöpfen angeboten werden. Dazu stehen sie auch noch in feinem Blähton. Die Kapillarität dieses feinen Blähtons ist viel zu hoch! Der zu den Töpfen passende Wasserstandsanzeiger ist hier auch mehr ein Spielzeug, denn ein richtiges Anzeigeinstrument. Diese Minitöpfe sind für eine erfolgreiche Kultur der Kakteen in Hydrokultur völlig ungeeignet. Sicher sieht es "komisch" oder witzig aus, wenn ein kleiner Kaktus in einem großen (hohen) Kulturtopf steht. Der Kaktus hat aber größere Chancen eine weitere Saison zu erleben. Eine erfolgreiche Kultur wäre möglich, wenn ein entsprechend deutlicher Hinweis zu den Kakteen in kleinen Töpfen geliefert würde. (Staunässe) Auch lassen sich Kakteen in kleinen Töpfen in groben Blähton einpflanzen! Die Gefahr, daß der Kaktus am Wurzelhals wegfault ist dann geringer.

Völlig absurd finde ich die Arrangements in denen Kakteen mit Regenwaldpflanzen in einem Topf oder in einer flachen Schale zusammen gepflanzt werden.
Auch auf Ausstellungen werden immer wieder große Kugelkakteen in flachen Töpfen gezeigt.

Auf der BuGa 2001 in Potsdam
sahen wir sehr schöne große Kakteen in diesen flachen Schalen (ca. 9 cm hoch). Diese flachen Töpfe sind für unerfahrene Pflanzenliebhaber keinesfalls zu empfehlen. Wie soll hier ein vernünftiges Verhältnis der Nährlösungsversorgung erreicht werden? Hier muß immer wieder so wenig Nährlösung eingefüllt werden, damit es nie zu Staunässe kommen kann. Eine, wie sonst bei Hydrokultur erwünschte, Langzeitversorgung ist so nicht möglich. Auch ist ein Wasserstandsanzeiger für die Überwachung des unbedingt erforderlichen niedrigen Nährlösungsstandes bei Kakteen in Hydrokultur kein zuverlässiges Anzeigeinstrument.
Wollen Sie Ihre Kakteen in Hydrokultur zur Blüte bringen, so müssen Sie, wie bei Kultur in Erde, die Ruhezeiten einhalten. Die Pflegebedingungen für Hydrokultur lassen sich aus den Pflegehinweisen für Erdkultur ableiten.


Kakteen von Erdkultur auf Hydrokultur umzustellen ist schwierig.
Es scheitert oft schon daran: Wie soll ich den dornigen Gesellen halten? Bei kleinen Kakteen ist es ein Versuch wert. Im Frühjahr vor Wachstumsbeginn (März - April) die Erde und die feinen Wurzeln entfernen. Die starke Hauptwurzel bleibt dran. In trockenen Blähton einsetzen. Eventuell unter Beimischung von Holzkohlengranulat. Das erste Wasser in den Übertopf geben - nicht über den Blähton einfüllen. Der Kaktus wird bald neue Wurzeln bilden. Dann kann Langzeitdünger oder schwache Nährlösung gegeben werden. Die Verwendung von speziellem Kakteendünger in schwacher Konzentration ist möglich.
Bei Stecklingen (Ablegern) ist wichtig, daß die Schnittstelle oder Bruchstelle mit Holzkohlenpuder behandelt werden soll und trocken ist, wenn der Steckling in den Kulturtopf eingesetzt wird. Blähton der Körnung 8/16 ist besser als feiner Blähton. Der Blähton muß trocken sein. Das erste Wasser nicht über den Blähton einfüllen, sondern in den Übertopf von unten geben. Anstelle von Blähton kann auch Blähschiefer, oder wegen des Eigengewichtes auch Lava verwendet werden.

Noch einmal zusammengefaßt die wichtigsten Punkte für die Pflege von Kakteen in Hydrokultur:



*) sehr gut geeignet als Gefäß ist der HYDRO-TANK ′S′

Ich möchte noch bemerken, daß Kakteen nicht mein "Spezialgebiet" sind. Verschiedene Arten der Kakteen kann ich zwar grob zuordnen, die genauen Namen kenne ich meist nicht. Ausreichend Erfahrung mit der Anzucht von Stecklingen habe ich aber gesammelt. Ich will ja auch keiner Kakteenseite das Wasser abgraben oder Konkurrenz machen. Hier verweise ich gerne auf spezielle Kakteenseiten.

In unserer Linkliste finden Sie Hinweise auf spezielle Seiten über Kakteen für tiefer gehende Informationen zu diesen Pflanzen. Diese Seiteninhaber haben dabei mehr ihre Kakteen im Auge, denn die Hydrokultur. Herr Kokert schreibt auf seiner Seite speziell über seine Erfahrungen mit Kakteen in Hydrokultur.

Anmerkung:
Eine weitere Unsitte hat sich seit Jahren im Handel mit Kakteen breitgemacht, zum Glück noch nicht bei Hydrokultur. Nämlich, daß auf kleine Kakteen Strohblüten oder Glasaugen aufgeklebt werden. Ungläubige Kunden bekommen auf Ihre naive Frage, ob das echte Blüten seien, natürlich die richtige Antwort - ja! Nur sind es keine von Kakteen. Diese Art Betrug am Kunden taucht meist zu Anfang des Jahres, sowie auf Ausstellungen, auf.

Berlin, den 21. Januar 2002

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