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Vom Wasser zur Nährlösung - Eine Einführung ins Düngen

Bevor aus Wasser Nährlösung wird muß zuerst gesagt werden, daß Wasser nicht gleich Wasser ist. Wasser ist in seiner Zusammensetzung sehr unterschiedlich vorhanden. Die Einteilung von hartem und weichem Wasser fordert schon im Haushalt Berücksichtigung. Beim Geschirrspülen, beim Wäschewaschen und beim Kochen muß darauf geachtet werden. Und gerade beim Gießen der Zimmerpflanzen muß die Verwendung des vorhandenen "Gießwassers" bedacht werden. Mit welcher Wasserhärte das Wasser aus der Leitung fließt erfahren Sie bei Ihrem Wasserwerk.

Meist wird zum Gießen (von Pflanzen in Erde) enthärtetes (weiches) Wasser empfohlen. Die Verwendung von aufgefangenem Regenwasser ist heute nur nach der Filterung mit Aktivkohle zu empfehlen. Wer aber betreibt diesen Aufwand?
Bis zu einer Wasserhärte von ca. 8° dH (deutscher Härte) können Sie mit normalem Hydrokulturflüssigdünger, oder in Pulverform zum Auflösen (Flory 9) düngen. Diese Spezialdünger sind speziell für die Hydrokultur hergestellt. Sie können auch für Pflanzen in Erde verwendet werden. Umgekehrt dürfen Sie "normale" Blumendünger auf keinen Fall für die Hydrokultur verwenden.

Düngen ist also das Ersetzen von Nährstoffen, die die Pflanzen mit Hilfe ihrer Wurzeln dem Boden bzw. der Nährlösung entzogen haben. Mit "Dünger" bezeichnen wir auch landläufig die Nährstoffe für die Pflanzen. Diese sind Bau und Betriebsstoffe für die Pflanze. Sie werden über die Blätter und über die Wurzeln aufgenommen und im Blattgrün mit Hilfe des Sonnenlichts in körpereigene Stoffe (Assimilate) umgewandelt.

Der wichtigste Nährstoff ist der Kohlenstoff. Er wird als Kohlendioxid der Luft entnommen und gelangt über die Spaltöffnungen der Blattunterseite in das Blattgrün (Chlorophyll). Auf die Aufnahme des Kohlendioxids aus der Luft haben wir nur insofern einen Einfluß, als wir für ausreichend Luftbewegung im Blattbereich sorgen müssen, denn der Anteil des Kohlendioxids an der Luft beträgt nur rund 0,03 % und ist daher schnell verbraucht. Die Luftbewegung ermöglicht die Zufuhr ständig neuen Kohlendioxids zum Blatt.

In Gewächshäusern des Erwerbsgartenbaues erreicht man dies durch die sogenannte CO²Begasung und (zumindest im Sommer) durch künstliche Luftumwälzung oder Luftzufuhr mit Hilfe starker Lüfter. Zimmerpflanzen kommen mit der geringeren Zufuhr von Kohlendioxid durch die Bewegung der Luft im Zimmer aus. Und doch kann es vorteilhaft sein, die Zimmerluftbewegung durch verstärktes Lüften (keine Zugluft) oder durch einen kleinen und langsam laufenden Lüfter besonders in der warmen Jahreszeit zu fördern. Wichtig ist das vor allem in einer Pflanzenvitrine oder wenn dichte Vorhänge am Fenster eine Luftumwälzung zum Raum hin erschweren.

Draußen stehende Pflanzen kommen in der Regel mit dem Kohlendioxid aus, da es dort immer eine schwache Luftbewegung gibt.

Die Düngung durch Zufuhr von Nährstoffen über die Wurzeln unterliegt dagegen unserem Einfluß. Wir haben es in der Hand, der Pflanze die Nährstoffe zu geben, die sie für ihr Wachsen und Gedeihen braucht.

Die Hersteller machen es uns seit Jahrzehnten leicht, die Pflanze mit Nährstoffen zu versorgen. Die Dünger sind nach Maßgabe des Pflanzenbedarfs zusammengesetzt. Verschieden zusammengesetzte Dünger ermöglichen es, die Düngung an den unterschiedlichen Bedarf anzupassen.
Zwischen dem Dünger für die Erdkultur und für die Hydrokultur besteht ein grundsätzlicher Unterschied insofern, daß Pflanzen in Erde mit organischem Dünger (wie z.B. Mist und Gülle) versorgt werden. Es können jedoch genauso gut anorganische Dünger verwendet werden. Erdelose Pflanzen dagegen brauchen einen Dünger, der nicht der Erde bedarf, um erst einmal pflanzengerecht aufbereitet zu werden, sondern direkt für die Wurzeln aufnahmefähig ist. Am deutlichsten ist der Unterschied beim Nährstoff "Stickstoff" (N = Nitrogenium). Diesen können die Pflanzen in der Amidform, also als Harnsäure, aufnehmen. Erdelose Pflanzen können das nicht. Würde man der Nährlösung einen Dünger zufügen, dessen Stickstoff zu viel Harnstoff enthält, käme es zum unweigerlichen "Umkippen" der Nährlösung. Aus Nitrat würde Nitrit das ist ein Pflanzen(Zell)gift.

Noch einen wesentlichen Unterschied gibt es: Der Düngeranteil der Nährlösung für die Hydrokultur fließt niemals in den Boden und kann ihn daher nicht belasten, es sei denn, bei Regen läuft die Hydrokulturwanne über, ohne daß die überlaufende Nährlösung bzw. das düngerhaltige Wasser zum Zweck der späteren Verwendung aufgefangen wird. Dagegen fließt die aufgedüngte Bodenlösung bei Erdpflanzen draußen nach einem Regenguß tief und breit in die Bodenschichten und kann zur Belastung des Grundwassers, des späteren Trinkwassers, führen. Weggeflossene Bodenlösung ist für die Pflanzenversorgung verloren. Bei der Hydrokultur geht in der Regel keine Nährlösung ungenutzt verloren. Darum ist der Wasserverbrauch bei der Hydrokultur deutlich geringer als bei der Erdkultur.

Als Dünger für die Hydrokultur verwendet man drei verschiedene Formen: Nährsalz, Flüssigdünger oder Ionenaustauschdünger. Dann wird er unterteilt nach Maßgabe der Zusammensetzung: stickstoffbetont, phosphorbetont, kaliumbetont usw., und zwar je nach Verwendung für Pflanzen mit bestimmtem Sonderbedarf. Der (normale) Regeldünger ist leicht kaliumbetont und entspricht dem Bedarf der meisten Zier und Zimmerpflanzen. Dazu gibt es Dünger, die nur einen Nährstoff oder zwei oder drei Nährstoffe enthalten. Sie verwendet man, wenn kurzzeitig oder während einer besonders bedürftigen Wachstumsphase (Blütenbildung) dieser Einzelnährstoff in erhöhtem Maße gebraucht wird.

Die Zusammensetzung eines (normalen) Düngers kennzeichnet man mit den drei (oder vier) Zeichen NPK. N steht für Nitrogenium (Stickstoff), P für Phosphor, K für Kalium. Häufig findet man auf dem Etikett auch noch das vierte Zeichen Mg, es steht für Magnesium. Diesen Zeichen folgen Zahlen, die durch einen Bindestrich oder einen Doppelpunkt getrennt sind. Beispiel: NPKMg 123162 oder 12:3:16:2. Es handelt sich um die Zusammensetzung, in diesem Fall um einen kaliumbetonten Dünger, der für die Hydrokultur meistens verwendet wird. Es gibt auch andere Zusammensetzungen. So wird im Hydrokultur-Erwerbsgartenbau in der ersten Wachstumsphase häufig ein stickstoffbetonter Dünger gebraucht, in der Blütenphase ein phosphorbetonter und in der Fruchtphase ein kaliumbetonter. Auch Kakteen brauchen in der Regel einen besonders zusammengesetzten Dünger, nämlich einen stärker kaliumbetonten (wegen der starken Wasserbindung des Gewebes). Ein noch anderer Dünger enthält kaum oder gar keinen Stickstoff. Er wird der Nährlösung erst zugegeben, wenn der anzustrebende pHWert ermittelt ist. Und zwar läßt sich durch Auswahl einer bestimmten Stickstoff-Düngerart der pH-Wert beeinflussen. Die Zugabe von Ammonium ermöglicht die Senkung des pHWertes, was allerdings Erfahrung voraussetzt.

Nachteilig ist (kann sein) die Verwendung von flüssigem Hydrokulturdünger und gelöstem Hydrokulturdünger, da sich dadurch der Reinigungsintervall der Gefäße verkürzt. Durch die Verdunstung eines Teiles des Wassers der Nährlösung, vor allem wenn die Pflanzen die vorteilhaften warme Füße haben. Dabei kristallisiert ein Teil des Düngers aus und setzt sich im Blähton ab. Dieser soll bei jeder Erneuerung der Nährlösung durchgespült werden.

Hier noch ein Wort zum sogenannten Kunstdünger. Es gibt keinen Kunstdünger! Dies ist nur der Ausdruck von Leuten, denen das Verständnis für Dünger und Düngen abgeht. Man sollte auch besser von mineralischem Dünger sprechen. Dieser Dünger wird eben nur künstlich hergestellt!

Berlin, den 08. Mai 2002

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