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Der Hydrokultur-Wohlfühlwintergarten

© Jürgen Herrmannsdörfer

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Fortsetzung zu unserem Beitrag vom 28. Juni 2008

Zusammenfassung der Versuche und Erkenntnisse
Seit der Eröffnung im Oktober 2001 haben ca. 400 Personen unseren Wintergarten besucht.
99 % der Besucher empfanden das Klima und die gesamte Atmosphäre als sehr angenehm. Hierunter waren bis Dato auch ca. 40 Fachleute aus dem Gartenbau, der Architektur und der gartenbaulichen Fachpresse.

Klimaversuche
Kann ein Gewächshaus-Wintergarten die Anforderungen für eine ganzjährige Nutzung als Wohnraumerweiterung erfüllen? Diese und viele andere Fragen galt es nach der Eröffnung im Praxisversuch zu klären.

Der Sommerbetrieb
Die grundlegenden Klimaerkenntnisse der Praxisnutzung im Sommerhalbjahr sind als sehr positiv zu beschreiben. Die Technik zur Klimatisierung, insbesondere die Innenrollschattierung, in Verbindung mit der ordentlichen Lüftungsdimensionierung, hat sich, trotz der Skepsis einiger Fachleute, als sehr effektiv erwiesen. In der Regel ist die Innentemperatur, auch an extrem heißen Tagen ca. 4-6 °C kühler als die Außentemperatur. Beleg hierfür sind die Datenaufzeichnungen, Innentemperatur im Verhältnis zur Außentemperatur.

Der Winterbetrieb
Die Glaseindeckung mit einem K-Wert von 1,3 bringt auf der einen Seite noch ein sehr gutes Lichtspektrum an die Pflanzen, auf der anderen Seite gibt es Glasscheiben mit einem weitaus besseren K-Wert. Volles Licht für die Pflanzen war aber eine der wichtigen Anforderungen beim Bau.

Lösung
Das kombinierte Innen- Schattiersystem wird somit im Winterhalbjahr auch als sehr effektiver Energieschirm genutzt. Die Heizkostenersparnis liegt lt. Hersteller bei 30-40%. Im Praxisbetrieb können wir ca. 20% bestätigen. Somit wird der K-Wert auf ca. 1,0 reduziert.

Die Heizleistung der Konvektoren wurde vom Heizungsbauer zu schwach ausgelegt. Insbesondere wird dies bei Außentemperaturen von unter -10 °C deutlich. Ein Heizlüfter mit 2000 Watt bringt hier die nötige Erhöhung von 18 °C auf "mollige" 22 °C.


Betriebskosten Energie
Die echte, ganzjährige Wintergartennutzung als wirkliche Wohnraumerweiterung hat auch Ihren Preis. Pro Tag sollte einem der Wintergarten dann schon 2,- Euro Wert sein. Dieser Betrag ist für Heizung, Strom und Gießwasser pro Tag im Ø nötig.

Kurzes Fazit
Das Wohlfïühl-Klima ist gegeben. Die Heizungsbauer müssen Ihre Hausaufgaben besser erledigen und die Glasindustrie sollte noch an den Glaseindeckungen forschen. Der Gewächshaus-Wintergarten hat somit aber schon jetzt seine volle Berechtigung am Markt.

Pflanzenversuche mit Hydrokultur
Die Erkenntnisse und Versuche von Dr. Reimherr (Programm EDEN etc.) haben wir für die Hydrokultur im Praxisversuch weiter vertieft und relevante Fragenkomplexe aufgenommen. "Learning by doing" ist der Zaubersatz wenn man sich auf "Neuland" begibt. Viele Fragen haben sich auch erst im Laufe der Versuche durch Beobachtungen ergeben.

Was kann man dem Wintergartenbesitzer empfehlen, der kein Hobbybotaniker ist und dennoch eine schöne Begrünung vorzeigen möchte? Welche Vorteile und Probleme ergeben sich mit Hydrokultur im Wintergarten? Welche Pflegeempfehlungen soll man den Kunden geben?

Schier unerschöpflich ist das Thema Pflanze + Wintergarten. Auf einige Fragen gibt es schon erste geprüfte Antworten, die aber noch einer schriftlichen Vertiefung bedürfen:
Kann das Hydrokultur-System für eine ansprechende und abwechslungsreiche Wintergarten-Begrünung verwendet werden?
Ja, auf alle Fälle. Viele bekannte Pflanzen aus der Bürobegrünung gedeihen auch im Wintergarten prächtig. Insbesondere die Hydrokultur-Blühpflanzen entfalten durch das tolle Lichtangebot Ihre volle Blütenpracht. Raritäten, insbesondere auch Pflanzen aus dem Eden-Sortiment sind teilweise mit Vorsicht zu genießen. (Pflanzenlisten werden demnächst auf hydrotip.de veröffentlicht)

Wie verhält es sich mit dem Pflanzenwachstum in einen Hydrokultur-Wintergarten?
Die Raumparameter in einem Wintergarten geben den Pflanzen, im Verhältnis zur den Büro- und Wohnräumen, teilweise unglaubliche Wachstumsschübe. Dies zur Folge ist mind. 3 x pro Jahr ein fachgerechter Rückschnitt nötig, wenn man die Pflanzen in Form halten möchte und nicht gleich nach 2 Jahren eine Umtopfaktion gestartet werden soll.

Wie oft Gießen im Hydrokultur-Wintergarten?
Der große Vorteil der Hydrokultur:
Der Wasserspeicher - wird im Wintergarten etwas reduziert. Gießintervalle von 3-4 Wochen, die wir aus der Raumbegrünung kennen, sind hier Wunschträume. Zum einen sind hierfür die klimatischen Bedingungen verantwortlich. Zum anderen haben die konischen Steingutgefäße zu wenig Wasserspeicher. Der Platzbedarf für geeignete Gefäße würde den Nutzraum aber sehr einschränken. Dennoch ist auch im Hochsommer eine ausreichende Wasserversorgung von ca. 7 Tage möglich, die im Winter bis auf fast 2 Wochen ausgedehnt werden kann.


Welcher Hydrokultur-Dünger im Wintergarten?
Dem Wachstum entsprechend, sind auch die Düngegaben zu erhöhen. Lewatit HD 50 alleine ist hier niemals ausreichend. Insbesondere stark zehrende Pflanzen, wie Aristolochia und Passiflora, zeigen sofort die Unterdeckung mit Chlorosen an. Bei jedem zweiten Gießgang sollte der Nährstoffbedarf zusätzlich mit Flüssigdünger ergänzt werden. Standard-Flüssigdünger sind nicht immer ganz optimal. Viel besser ist eine spezielle Lösung, abgestimmt auf den Härtegrad des Leitungswassers.

Sind Pflanzenschädlinge ein Thema?
Leider ja. Schädling Nr. 1 ist die "Rote Spinne" (Spinnmilben), deren richtige Bekämpfung, mangels vernünftiger Mittel, fast unmöglich wird. Den Nützlingsversuch (2 x Raubmilben LH ausgesetzt) ab März 2003 haben wir nach 4 Monaten abgebrochen. Die Ergebnisse waren so unbefriedigend, daß wir keine Empfehlung geben können. Wolläuse, auch Schmier- und Schildläuse lassen sich mit den handelsüblichen Mitteln gut bekämpfen und spielen, genauso wie Echter Mehltau, nur eine untergeordnete Rolle.

Erstes pauschales Ergebnis zu den Pflanzenversuchen:
Hydrokultur hat im Wintergarten Ihre volle Berechtigung. Sie erspart dem Wintergartenbesitzer einiges an Gieß- und Pflegeaufwand. Noch deutlicher wird dies wenn man etwas großzügiger baut und größere Behältnisse für die Pflanzen einplanen kann.

Datenversuche
Die Klimadaten aus dem Muster- und Versuchswintergarten laufen seit fast 2 Jahren als Langzeitdatenaufzeichnung. 99,5% der Klimadaten sind fest gespeichert. Die Fachhochschule Weihenstephan, bzw. Prof. Dr. Lutz Köhler aus dem Institut für Technik im Gartenbau, werden die Klimadaten unserer Versuchsanlage zur gegebenen Zeit auswerten. Auch für weitere Forschungsinstitute stelle ich die Daten gerne zur Verfügung.


Sonstige Erkenntnisse und weitere Versuche:
Ein weiterer, sehr positiver Nebeneffekt der Innenschattierung ist die tolle Akustik. Im geschlossenen Zustand wird der Schall, im Gegensatz zu den konventionellen Wintergärten mit Außenschattierung, vom Gewebe aufgefangen. Somit entsteht ganz nebenbei eine gemütliche und warme Gesprächsatmosphäre, die fast alle Besucher verblüfft.


Lesen Sie dazu bitte auch Der optimale Wintergarten


Berlin, den 12. Juli 2008


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