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"Doch wer trinkt schon eine Nährlösung aus der Anstauzone?"

Keimbelastung bei Hydrokulturen?

Herr Erhard Bock (Mitglied der DGHK) vom Blumenteam Lotos in Heidenroth betreut in einem Objekt eines Versicherungsunternehmens 1500 Gefäße. Als ihm nun eröffnet wurde, daß alle Pflanzungen sofort entfernt werden müssen, war er nicht wenig geschockt. Auslöser des hektischen Treibens war ein Sicherheitsbeauftragter, der davon überzeugt war, daß von Pflanzen gefährliche Einflüsse auf die Mitarbeiter ausgehen. Ein Mitarbeiter des Instituts Fresenius war beauftragt worden Nährlösungsproben aus den Hydrogefäßen zu entnehmen und zu untersuchen. Dieser war fündig geworden und hatte eine Keimbelastung festgestellt:

• Bakterien: 60.000 KBE/ml
• Schimmelpilze: 50 KBE/ml


Für jemanden, der üblicherweise Trinkwasseranalysen durchführt und bewertet, eine enorm hohe Belastung.
Doch wer trinkt schon eine Nährlösung aus der Anstauzone? Schließlich ist es nicht einfach dran zu kommen. Da müsste der Durst schon sehr groß sein, und eines langen Strohhalmes bedarf es dazu auch.

So weit dachte unser Sicherheitsbeauftragter natürlich nicht. Für ihn war die Sachlage klar, das Ganze war hoch gefährlich für die Mitarbeiter und musste sofort abgestellt werden. Schließlich bilden Schimmelpilze auch Sporen, und diese können erhebliche Atemwegsbeschwerden verursachen, was jeder heute weiß.

Vorstandsmitglieder sind stets in höchstem Maße sensibilisiert, wenn Sicherheitsbeauftragte ein Gefahrenpotential glauben entdeckt zu haben. Wer ist heute noch bereit Verantwortung für Risiken zu übernehmen. Sich gar dem öffentlichen Vorwurf auszusetzen Mitarbeiter zu gefährden? Als Chef sichert man sich ab, diskutiert nicht lange herum, sondern handelt.


Bevor das Ganze Kreise ziehen konnte, denn zu der betreffenden Firma gehörten noch eine Reihe weiterer Niederlassungen in Deutschland, hatte sich Herr Bock Rückendeckung in Geisenheim geholt. Mit einer schriftlichen Stellungnahme konnte das Unheil im letzten Moment abgewendet werden.

Die festgestellte Keimbelastung war für eine Hydro-Nährlösung sogar vergleichsweise niedrig.
Grundsätzlich sind Nährlösungen in der Anstauzone von Hydrokulturen intensiv belebt und von Mikroorganismen besiedelt. Dies ist auch notwendig, denn Mikroorganismen mineralisieren die über die Pflanzenwurzeln abgegebenen organischen Verbindungen. Aus fachlicher Sicht ist es deshalb nicht zweckmäßig Nährlösungen nach den Kriterien einer Trinkwasseranalyse zu untersuchen und zu bewerten. Nährlösungen werden nicht getrunken und sind, da verborgen im unteren Teil eines Gefäßes, auch nicht ohne weiteres zugänglich.



Die festgestellten Keime von Schimmelpilzen dürften sich vorwiegend in der mittleren Feuchtzone des Gefäßes befinden. Durch die darüber befindliche Trockenzone wird der Übertritt von Sporen in die Atmosphäre stark behindert oder sogar verhindert. In diesem Zusammenhang sind Erdkulturen, bei denen sich Schimmelrasen direkt auf der Substratoberfläche bilden, wesentlich kritischer einzustufen. Hydrokulturen gelten aus den angeführten Gründen als unproblematisch und werden deshalb zur Begrünung in sensiblen Bereichen vorgezogen.

Ganz ausgestanden ist die Affäre dennoch nicht. Bleibt das allergische Potential, das vom Milchsaft von Ficus ausgeht. In der Sache wird noch recherchiert mit offenem Ausgang. (HDM)

Kommentar von Hydrotip:
Wenn die Sache nicht so traurig wäre, könnte man glatt vor Lachen platzen.

Berlin, den 23. August 2008

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