..:: Pflanzen & Hydrokultur - Hydrotip - Schöner die Kassen nicht klingeln ::..

Schöner die Kassen nicht klingeln

Einträglicher Verkauf von Illusionen

Im Pflanzenhandel werden den Kunden immer wieder Pflanzen angeboten, um gewisse Illusionen zu befriedigen. Dabei handelt es sich meist um Exoten, die in unserem Klima an sich sehr schlecht oder mit wenig Erfolg zu pflegen sind. Der “Liebhaber“ kann diesen Pflanzen nämlich selten die geforderten Lebensbedingungen bieten. Hier sind besonders die hohe Luftfeuchtigkeit und der Lichtmangel zu nennen.

Es ist einfach ein Unterschied, ob man prächtige Blüten im Urlaub in mediterranen Gefilden bewundert oder ob man im norddeutschen heimischen Vorgarten steht. Abgesehen vom eigenen Erholungseffekt ist es im Urlaub in südlichen Gefilden einfach wärmer und heller. Die Winter sind dort weniger streng. Wollte man den exotischen Pflanzen die Bedingungen bieten, die sie für ein blühendes Gedeihen benötigen, müsste man zumindest einen Wintergarten haben. Darin wird die Wärme gehalten, man kann für eine gewisse Luftfeuchtigkeit sorgen, es ist dort im Winter weniger kalt. Ansonsten lautet der Rat für allzu exotische Pflanzen: alles zu seiner Zeit, alles an seinem Ort.

Illusion Nummer 1: Die Bananenstaude

Jeder Pflanzenliebhaber hat im Handel schon oft die Bananenstauden gesehen. Frech wird das Angebot dann, wenn Abbildungen von essbaren Bananen oder Plastikfrüchten bei den Pflanzen platziert werden. Nur sind bei den Bananenstauden, die hier angeboten werden, kaum Früchte zu erwarten. Wenn es einem Pflanzenfreund gelingt mit sehr günstigen Bedingungen eine Blüte und Fruchtbildung zu erreichen, so sind diese Früchte aber kaum genießbar. Es sind eben nicht die Bananen, die der Verbraucher aus dem Obststladen kennt. Sehr dumm ist dann auch noch die oft benutzte Namensgebung “Bananenpalme“ oder “Bananenbaum“. Es handelt sich nämlich hier weder um eine Palme (Arecaceae) noch um einen Baum.



Illusion Nummer 2: Echte Vanille

Als letzter Schrei wird neuerdings vermehrt die “echte Vanille“ angeboten. Selbst hier wird der Kunde durch Werbebilder getäuscht. Es wird dem Käufer oft nicht vermittelt, daß diese Orchidee erst in späteren Jahren Blüten bilden kann. Hinzu kommt noch, daß die Blüte der Vanilla planifolia Andrews manuell befruchtet werden muß.
Die Früchte müssen dann fermentiert und getrocknet werden. Sehen Sie dazu unseren Beitrag vom vom 17. Februar 2006. Dort können Sie auch Bilder von der Blüte und dem Fruchtstand sehen.



Illusion Nummer  3: Echter Kaffee

Auf dem Stecketikett für Coffea arabica L. wird großartig geschrieben “Echter Kaffee“. Sicher ist es eine echte Kaffeepflanze. Störend dabei sind auf dem Etikett die abgebildeten gerösteten Kaffeebohnen. Aber evt. geerntete Kaffeefrüchte müssen erst vom roten Fruchtfleisch befreit, die grünen Bohnen getrocknet und dann geröstet werden.

Vielleicht wäre es jedoch eine schöne Idee, diese Kaffeepflanze dort zu platzieren, wo der Büro Kaffeeautomat steht. Es wird sicher kaum die Ernte für mehr als eine Tasse Kaffee aus ihm wachsen - vom Bearbeiten der Kaffeekirschen, wenn sie denn überhaupt wachsen sollten, zur gerösteten Bohne ganz zu schweigen. Aber sicher wäre es für manche Kaffeetrinker interessant, aus welchem Gewächs ihr stimulierendes Getränk entsteht. Und netter als ein Gummibaum sieht die Pflanze auch aus.

Illusion Nummer  4: Kakao

Die niedlich kleinen Kakaopflanzen (Theobroma cacao L.) brauchen jahrelange optimale Pflege bis sie dann endlich Blüten bekommen und evt. Früchte reifen können. Kakaofrüchte unterliegen ebenfalls einer komplizierten Behandlung, um die Kerne genießbar zu machen und zur Produktion von Schokolade zu nutzen.

Illusion Nummer  5: Ananas
Um von den angebotenen jungen Pflanzen einer Ananas comosus (L.) Merr. eine Frucht zu erhalten benötigt es in unserem Klima viel Zeit und erst recht viel Platz. Diese Pflanze erreicht die stattliche Größe mit einem Ø von ca. 1,2 bis 1,5 Meter.

Das hier ist nur eine kleine Auswahl dieser sonderbaren Angebote. All diese Nutzpflanzen werden in den tropischen Gebieten dieser Erde schon immer angebaut, weil sie eben nur in diesem Klima optimal wachsen können und Erträge bringen.

Und warum steht auf all den Etiketten “Neu“?

Einzig neu dabei ist, daß sich die Produzenten und Händler neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Denn der Verbraucher, dem es nicht gelungen ist die Pflanzen zu kultivieren wird es ja erneut versuchen, weil er vermutet etwas falsch gemacht zu haben. Das einzige was er hier falsch gemacht hat ist auf die Augenwischerei des Handels hereingefallen zu sein.


Aber auch bei Pflanzen, die durchaus in unserem Klima kultiviert werden können wird der Pflanzenfreund in die Irre geführt. So wurde im Blumenmarkt auf der Landesgartenschau 2008 in Bingen eine Staude angeboten. Diese Pflanze kann in unseren Breiten durchaus wachsen, weil sie winterhart ist. Das Angebot hieß “Winterharte Orchidee“. Nur hat diese Staude mit einer Orchidee wenig gemein. Die angebotene Pflanze mit dem Namen "Tricyrtis hirta (Thunb.) Hook." gehört zur Familie der Liliaceae. Ein deutscher Name für die "Tricyrtis hirta (Thunb.) Hook." ist "Krötenlilie". Die spät im Jahr erscheinenden Blüten sind durchaus bizarr, ähneln aber mehr den Passionsblumen.


Fazit:
Mit klingenden Namen wie Orchideen und Exotischen Früchten läßt sich eben viel verkaufen. Der Verkäufer (Händler) freut sich über den Umsatz, aber im Grunde ist es Betrug am Kunden!

Berlin, den 23. August 2008


Pflanzen, Klima, Blüten, Winter, Luftfeuchtigkeit, Urlaub, Pflanze, Nummer, Orchidee, Zeit, Früchte, Blüte, Bedingungen, Kaffee, Kunden, Illusionen, Namen, Pflanzenfreund, Bananen, Angebot, Thunb, Tricyrtis, Verbraucher, Ananas, Echter, Händler, Bananenstauden, Vanille, Staude, Kaffeepflanze, Exoten, Gefilden, Gedeihen, Erfolg, Pflanzenhandel, Erholungseffekt, Vorgarten, Wintergarten, Liebhaber, Ort, Nummer, Unterschied, Lichtmangel, Wärme, Gardasee, Lebensbedingungen, Rat

Neue Artikel

Grüne Veranstaltungen