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Ordnung und Übersicht im Pflanzenreich
2. Teil

Die Entwicklung des Pflanzensystems –
von der künstlichen Einteilung zum natürlichen System

© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg

Wie in der Einleitung dargestellt wurde, hat es schon immer Versuche gegeben Übersichtlichkeit in die große Vielfalt der Pflanzen zu bringen. Dabei wundert es sicher niemanden, dass die ersten frühen Einteilungen, die aus der täglichen Beobachtung der Menschen hervorgingen, noch sehr grob und künstlich waren.

Die Schule des Aristoteles

Bereits in der griechischen Antike hat man sich bemüht, die Pflanzenwelt in eine Ordnung zu bringen. Eine herausragende Rolle spielte dabei Theophrastus (371-287 vor Christus), der der Schule des Aristoteles angehörte. Er wird als der Vater der Taxonomie bezeichnet, weil er eine erste Systematisierung der Pflanzenwelt unternommen hat. Die Pflanzen werden nach ihrer Vermehrungsweise, dem Ort ihres Vorkommens, ihrer Größe und ihrem Nutzen eingeteilt. Ihm zu Ehren wurde eine Pflanzengattung Theophrasta L. (Familie Theophrastaceae) genannt. Wie wichtig damals die Nutzung, vor allem die medizinische, war, lässt sich aus dem Werk Materia medica von Dioscorides erkennen, der ca. 40-90 in Griechenland lebte. Dieses Werk mit mehr als 500 Pflanzenbeschreibungen war als wichtige Grundlage bis ins 16. Jahrhundert in Gebrauch. Auch nach ihm ist eine Pflanzengattung benannt worden, die der Yamswurzeln, Dioscorea L. (Familie Dioscoreaceae).



Das 16. Jahrhundert

Im Zeitalter der Renaissance nahm auch die botanische Systematisierung einen neuen Aufschwung. Dabei wurden Ordnungsprinzipen vor allem in den damals bereits gegründeten botanischen Gärten wichtig, die der Lehre der Medizin-Studenten dienten. Der älteste botanische Garten ist der Leipziger, der 1542 gegründet wurde. Der älteste original erhaltene ist jedoch der von Padua. Er entstand 1545. Er ist 1997 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Seine Entwicklung ist ein schönes Beispiel für die Anwendung der botanischen Systematik, so wie es in den meisten botanischen Gärten systematische Abteilungen gibt, die nach Pflanzenfamilien geordnet sind.

Im 16. und 17. Jahrhundert wirkten viele Botaniker, deren Namen man in heutigen Gattungsnamen wieder findet, wie z. B. Otto Brunfels, Leonhart Fuchs, Caspar Bauhin, Andrea Cesalpino, Joseph Pitton de Tournefort und John Ray. Der letztere teilte die Pflanzen bereits in Ein- und Zweikeimblättrige und schuf erste Gruppen, die heute in den modernen Pflanzenfamilien wieder zu finden sind: mustards (Brassicaceae), mints (Lamiaceae), legumes (Fabaceae) und grasses (Poaceae).


Carl von Linné (1707-1778)

Dieser Wissenschaftler, Mitbegründer und erster Präsident der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und langjähriger Professor an der Universität von Uppsala, legte den Grundstein für die heutige Namensgebung. Er unternahm ausgedehnte Reisen und war unermüdlich tätig in seinem Bestreben die Lebewesen zu systematisieren. In seinem Hauptwerk Species Plantarum (Erscheinungsjahr 1753) beschrieb er ungefähr 7300 Pflanzenarten. Die Grundlage für die Namensgebung ist die botanische Art. Die Namen wurden aus zwei Teilen (binär) zusammengesetzt, dem Gattungsnamen, der immer mit einem Großbuchstaben beginnt, und dem Epitheton (Artnamen), der klein geschrieben wird. Linné hatte den Artnamen als Randbemerkung an die Seite seiner Pflanzenbeschreibungen gesetzt. Der Name wird als botanischer Name aus der griechischen oder lateinischen Sprache entnommen. Volksnamen oder Eigennamen von Personen können auch herangezogen werden. Das Pflanzensystem, welches Linné entwickelte, war jedoch vollkommen künstlich. Es beruhte allein auf der Zählung von männlichen (Staubgefäße) und weiblichen (Stempel) Sexualorganen, was zu Zuordnungen führte, die heute kurios anmuten.


Das Natürliche System der Pflanzen

Wie schon eingangs gekennzeichnet, beruht das Natürliche System der Pflanzen auf den tatsächlichen zugrunde liegenden Verwandtschaftsverhältnissen. Seine Entwicklung begann mit Forschern wie Antoine L. de Jussieu (1748-1836) und Augustin P. de Candolle (1778-1841) und erhielt entscheidende Impulse aus den Arbeiten von Charles Darwin (1809-1882). Ein sehr wichtiges Sammelwerk wurde vom Direktor des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem, Adolf Engler (1844-1930) zusammen mit Karl A. E. von Prantl (1849-1893) herausgegeben. Der „Engler-Prantl“ ist ein noch heute beeindruckendes Werk (erste Auflage 23 Bände), welches in vielen botanischen Bibliotheken steht. Dieses System hatte auch große Auswirkungen auf die praktische Darstellung in Botanischen Gärten, so z. B. in dem von Padua. Es ist nicht möglich hier alle Namen von bedeutenden Botanikern zu nennen, die zur Weiterentwicklung des Systems beigetragen haben. Stellvertretend sollen hier John Hutchinson (1884-1972), Armen Takhtatjan (geb. 1910), Arthur Cronquist (1919-1992), Rolf Dahlgren (1932-1987) und Klaus Kubitzki (geb. 1933) genannt werden. Der letztere ist der Herausgeber des Sammelwerkes „The families and genera of vascular plants, welches seit 1990 erscheint.

 


Die Angiospermen-Phylogenese-Gruppe

Natürlich musste es in einer immer komplexer werdenden Welt zu vielerlei Konfusionen und Parallelentwicklungen kommen. Um dem entgegen zu wirken, haben sich erfreulicherweise einige bedeutende Institutionen zu einer weltübergreifenden Gruppe zusammengeschlossen, der so genannten „Gruppe für die Stammesentwicklung der bedecktsamigen Blütenpflanzen“ (Angiosperm Phylogeny Group - APG). Ihr Vorteil ist, dass sie die neuesten Entwicklungen im Internet wiedergibt und damit viel aktueller sein kann, als es die immer mit Zeitverzug arbeitenden gedruckten Bücher sind. Wir wenden hier bei "Hydrotip.de" ab sofort die Klassifikation dieser Gruppe an. Es ist das modernste Pflanzensystem. Wesentliche Beiträge leisten dazu: Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften, die Universität von Uppsala, Schweden, der Königliche Botanische Garten Kew, Großbritannien, und die Universitäten von Maryland (College Park), von Florida (Gainesville) und der Missouri Botanical Garden (St. Louis - alle USA). Wer sich näher dafür interessiert, sollte die letzte Version der Webseite vom Juni 2008 studieren.

In einem nächsten Teil werden wir mehr zum angewendeten System vorstellen.

Der Teil 3 hat das Thema: Von den Bauplänen bis zu den Genen

Berlin, den 24. Januar 2009


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