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Ordnung und Übersicht im Pflanzenreich
4. Teil (1. Folge)

Das angewandte Pflanzensystem und die Pflanzennamen

© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg

Sinn und Zweck des Systems und seiner Änderungen haben wir
in TEIL 1 diskutiert, seine Geschichte in TEIL 2 und seine Grundlagen
in TEIL 3 vorgestellt. Nun wollen wir mal sehen, wie es selbst aussieht:

Das System

Wenn wir davon ausgehen, dass sich die einzelnen Gruppen durch Aufspaltung von Ahnen-Gruppen entwickelt haben, bekommen wir einen so genannten hierarchischen Stammbaum. Das heißt, dass mehrere Untergruppen jeweils zu einer übergeordneten größeren Gruppe gehören. So ist auch das Pflanzensystem in den größeren Einheiten aufgebaut. Das bedeutet, dass es übergeordnete und untergeordnete Gruppen gibt. Natürlich können Sie sich denken, dass die Pflanzensystematiker das bis aufs Feinste ausgeführt haben. Für unser Verständnis und für die Familienliste in Hydrotip ist es aber nicht nötig, alle Ebenen aufzuführen.

Wichtig sind folgende Gruppierungen:
Klasse - Ordnung - Familie - Unterfamilie - Gattung - Art.

Ein solches hierarchisches System kann man als Stammbaum aufzeichnen (links) oder beispielsweise mit Balken darstellen:



Hier drei Arten, wobei zwei zur selben, die dritte zu einer nahe verwandten Gattung gehören:



Die Pflanzennamen heute

Ein Pflanzenname wird seit Linné aus zwei Teilen zusammengesetzt (binärer Name):
•  Gattung (groß geschrieben)
•  Art (klein geschrieben)
•  Abkürzung des Autors, der den Namen vergeben hat.

Wenn die Pflanzenart von einem späteren Autor umbenannt worden ist, steht der alte Autor in Klammern vor dem neuen. Zusätzlich können die zweiteiligen Namen noch mit feineren Unterteilungen (Unterarten werden z. B. mit "subsp." {syn. "ssp."} angehängt, Varietäten mit "var.") versehen sein. Es ist eine Konvention in den meisten Texten, dass die eigentlichen botanische Namen, nicht aber deren Autoren, kursiv geschrieben werden. Im Gärtnerisch-Landwirtschaftlichen finden wir dann noch die Sortennamen, die in einfache Anführungszeichen gesetzt werden.

Schließlich gibt es auch noch patentierte Handelsnamen, die meist (aber leider nicht immer) vom Inhaber des Patents mit einem ® gekennzeichnet sind. Weil wir hier aber keine Firmenwerbung machen, lassen wir dies bei unseren Namensnennungen weg. Ist die betreffende Pflanzenart aus einer Kreuzung hervorgegangen, so wird zwischen dem Gattungs- und dem Artnamen ein "×" eingefügt.

Besonders bei Orchideen gibt es auch Gattungskreuzungen. Bei ihnen wird die neue Gattung (manchmal) durch ein Kreuz vor dem Namen und ein zusammengesetztes Wort aus den beiden Gattungsnamen gebildet. Bei sehr komplizierten Kreuzungsgeschichten wird ein ganz neuer Name vergeben. So stehen z. B. Cambria oder Beallara für Mehrfachkreuzungen aus Miltonia, Brassia, Oncidium und Odontoglossum. Danach folgt ein so genannter Grex-Name (grex epithet - "grex" lateinisch "Herde" oder "Rudel") Dieser steht für die spezielle Kreuzungs-Kombination und wird niemals kursiv geschrieben. Er ist ein Kunstwort, welches selbst nicht aus dem Lateinischen stammt. Erst dann kommt der Sortenname. Diese Sonderregeln sind im Handbuch der Orchideen-Nomenklatur und -Registrierung (4. Auflage 1993) durch die Internationale Orchideen-Kommission publiziert worden. Man findet solche Schreibweisen aber auch teilweise bei anderen Zierpflanzen. Steht schließlich hinter dem Namen statt eines Autors "hort.", so bedeutet das, dass der Name nur eine gärtnerische Kunstschöpfung ist, ohne dass eine exakte botanische Beschreibung vorliegt.

Wenn man sich diese wenigen Regeln einprägt, kann man eigentlich schon das Meiste ganz gut verstehen. Dass es ab und zu Ausnahmen gibt, ist so wie überall auf der Welt und sollte uns nicht kümmern. Manche Züchter nehmen es auch mit der Nennung ihrer Namen nicht so genau, und dann wird es wirklich schwierig. Eigentlich sind diese Leute dann aber selbst schuld, wenn wir ihre Pflanzen nicht genau ansprechen können.

Hier verschiedene Beispiele für solche Namenskonstruktionen:



Beispiele für Wildarten




Beispiele für Züchtungsprodukte




Beispiele für die besonders komplizierten Orchideen



Die höheren botanischen Einheiten haben ebenfalls Festlegungen. So haben Ordnungen die Endung "-ales", Familien "-ceae". Aus historischen Gründen sind bei acht Familien ausnahmsweise auch abweichende Familiennamen gültig. So kann man wahlweise schreiben: Palmae/Arecaceae, Gramineae/Poaceae, Cruciferae/Brassicaceae, Leguminosae /Fabaceae, Guttiferae/Clusiaceae, Umbelliferae/Apiaceae, Labiatae/Lamiaceae und Compositae/Asteraceae. Die Regeln für die Namensgebung sind im Internationalen Code für Botanische Nomenklatur festgelegt und werden von den Weltkongressen für Botanik aktualisiert. Für den jetzt gültige Code war das der Wiener Botanikerkongress 2005. Er ist somit seit 2006 gültig. Für Kulturpflanzen existiert ein besonderes Regelwerk. Eine spezielle Zeitschrift "Taxon" dient der Veröffentlichung der grundlegenden Neuerungen in den Regeln bzw. auch bestimmten Festlegungen wie der Namenskonservierung. Erstbeschreibungen oder Veränderungen findet man dagegen in vielen botanischen Zeitschriften oder Büchern.

Der so genannte "Zander" (Handwörterbuch der Pflanzennamen) hat in Deutschland eine weite Verbreitung gefunden. Er gibt eine sehr gute Übersicht über die Namen und diesbezügliche Regeln, ist allerdings in seinem Pflanzensystem auch in der neuesten Auflage von 2008 nicht mehr aktuell. Im Internet ist die Wikipedia mittlerweile zu einer guten Informationsquelle herangewachsen.

Es gibt auch gute Datenbanken, z. B. die des US-Amerikanischen Landwirtschaftsministeriums GRIN - Germplasm Resources Information Network und das von den Universitäten Bochum und Ulm erarbeitete sehr komplexe SysTax (Datenbanksystem für Systematik und Taxonomie). Eine andere sehr wichtige Quelle ist der Internationale Pflanzennamen-Index IPNI. Er ist das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen den Königlichen Botanischen Gärten Kew, dem Herbarium der Harvard Universität, und dem australischen Nationalherbarium. Weiter zu nennen wären die Tropicos-Datenbank, die Kew Pflanzenliste und die World Checklist für einige ausgewählte Familien.

Berlin, den 04. April 2009

Fortsetzung des 4. Teils mit Typusart - Arttypen, Synonyme, Artbegriff und Familienabgrenzung

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