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Hydrokulturgefäß Miraflor®

Die Firma Miraflor in Köln hat eine in mehrfacher Hinsicht interessante Geschichte.



Gegründet wurde die Firma vor 34 Jahren am 16.01.1975 von Hans E. Lommerzheim zusammen mit zwei weiteren Partnern, einem Ingenieur und einem Galeristen. Hätten in einem Seminarraum der Universität Köln nicht völlig vertrocknete Pflanzen von einem ebenso trockenem Thema abgelenkt, so wäre es wohl nie zur Entwicklung des Langzeitbewässerungsgefäßes "Miraflor" gekommen.



Aus der Grundidee, Gießzeiten von über 4 Wochen zu erreichen, entwickelte man ein Gefäß, in dem ein Wasservorrat von ca. 2 Litern in einer Doppelwand gespeichert wurde.
Der besondere Vorteil in dem ausgeklügelten System lag darin, dass durch eine spezielle Gestaltung des Zulaufs ein sehr niedriger Wasserstand von etwa 2 cm gehalten werden konnte. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu den nachfolgenden Wasserspeichersystemen, wie dem „Hydrotank von Dr. Blaicher” oder dem so genannten "Segi -Topf", lag darin, dass Wasser aus dem Speicher erst wieder nachfloss, wenn der ohnehin niedrige Wasserstand deutlich abgesunken war. Auf diese Weise war stets für eine optimale Sauerstoffversorgung im Wurzelbereich gesorgt.

Die ersten Gefäße waren zunächst auf den 15/12 Hydrokulturtopf von Leni abgestimmt. Durch eine in der Wandung angebrachte Rille konnte ein Zwischenboden mit Docht eingesetzt und das Gefäß somit auch für Erdpflanzen verwendet werden.


In der Firma Bayer AG fand man einen kompetenten Partner. Von dort stammte die Empfehlung den Kunststoff "Novodur" einzusetzen, der durchgefärbt war und in US-Lizenz von Bayer hergestellt wurde. Die Werkzeuge für das Miraflorgefäß wurden bei der Firma Schade in Plettenberg in Auftrag gegeben, die auch die spätere Fertigung übernahm. Die Herstellung war wegen der Zylinderform der Gefäße und des technisch anspruchsvollen Innenlebens keinesfalls einfach und erforderte erhebliche finanzielle Mittel.


Nach Präsentation des "Miraflorgefäßes" auf verschiedenen nationalen und internationalen Messen zeigte sich ein großes Interesse. Insbesondere die Nachfrage aus den USA und der Schweiz waren viel versprechend. Bei den ersten Überseeexporten stellte sich leider heraus, dass der Kleber, der die zwei Teile des Gefäßes am Boden luftdicht zu verschließen hatte, nicht ausreichend temperaturbeständig war. Bei den hohen Temperaturen in den Transportcontainern löste sich diese Verklebung bei einigen Gefäßen minimal und das Unterdrucksystem funktionierte nicht mehr einwandfrei. Da die Nachbesserungskosten nicht mehr aufgebracht werden konnten, war dies das Aus für das "Miraflorgefäß".

Die Parallelentwicklung von doppelwandigen Pflanzgefäßen aus Keramik, zusammen mit verschiedenen Firmen der Keramikindustrie, wie den Firmen Fuhs in Rheinbach und Buchholz in Höhr-Grenzhausen, erwies sich wegen der komplizierten Technik ebenfalls als problematisch. (Abb. 4 und 5). Das Erfordernis, einen luftdichten Scherben herzustellen und zu glasieren, stellte die Hersteller vor erhebliche Probleme. So wurde auch hier die Serienfertigung dafür letztendlich eingestellt.

In der Folge produzierte man die einwandigen Keramikgefäße der Serie "Miranette", die sich durch einen eingezogenen Innenrand auszeichneten und für alle gängigen Kulturtöpfe der Hydrokultur zur Verfügung standen. Diese Gefäße wurden maßgeblich von der NBV und der Gartenbauabteilung der Bayer AG vertrieben und waren im bundesweiten Fachhandel präsent.

Nach dieser Odyssee blieb Hans Lommerzheim als einziger von den Gesellschaftern übrig. Bedingt durch die zahlreichen Kontakte mit Pflanzenproduzenten der Hydrobranche reifte schließlich der Entschluss in die Raumbegrünung und Pflanzenpflege einzusteigen. Das war die Geburtsstunde der bis heute existierenden Firma.

Zunächst wurde die beginnende Pflanzenpflege mit der freundlichen Hilfe von Studentinnen der Uni Köln ausgeführt, was von den Fremdfirmen wohlwollend angenommen wurde. Die wachsende Anzahl der Kunden machte später die Festanstellung gelernter Gärtner erforderlich. Von Anfang an war das Geschäftsprinzip, guten persönlichen Kontakt mit den Kunden zu pflegen, kompetenten und schnellen Service zu bieten und nicht jede Freundlichkeit in Rechnung zu stellen. Daraus haben sich Geschäftsbeziehungen ergeben, die schon länger als 20 Jahre bestehen. Neue Kunden werden ausschließlich auf Empfehlungsbasis gewonnen. Es gibt keine gezielte Akquirierung, keine aufwändige Werbung und keine Vertreter.

Langjährige stabile Geschäftsbeziehung auf persönlicher Basis wird auch im Hinblick auf die Lieferanten konsequent praktiziert. So stammen Pflanzen, Gefäße und Zubehör maßgeblich von den führenden Herstellern der Branche, wie Nieuwkoop/NL, Jago Kunststoffe und anderen.
Natürlich kann auch die Firma Miraflor im Internetzeitalter auf die eigene Homepage nicht verzichten, auf die Neukunden gerne zurückgreifen.

Betreut werden derzeit Objekte aus allen Branchen in Köln, NRW und teilweise bundesweit. Der Sitz der Firma ist in der Bismarckstraße 12 - dicht bestückt mit ausgesuchten Pflanzen und Kunst.

Auf die Zukunft der "Hydrokultur" angesprochen prognostiziert Hans Lommerzheim eine Stagnation des Pflanzenumsatzes auf dem jetzigen Niveau. Wohl aber hat sich der Markt dahingehend verändert, dass jetzt eher die Nachfrage nach schöneren und vielfältigeren Gefäßen im Vordergrund steht. Weiterhin werden in den Objekten auch zunehmend wieder Erdpflanzen in Mischkultur mit Lecadan, Bims oder Lava zum Einsatz kommen.

Langzeitbewässerungssystemen in der Objektbegrünung steht Hans Lommerzheim heute eher kritisch gegenüber. Hans Lommerzheim ist eine interessante Persönlichkeit mit Witz und Selbstironie. Auf die Nachfolgeregelung der Firma angesprochen erfolgte die Antwort: "Ein Weltreich kann nicht untergehen". Na dann, weiterhin viel Erfolg und Freude mit der Raumbegrünung.

 

Miraflor® ist ein eingetragenes Warenzeichen.

 

©  Dr. Heinz-Dieter Molitor
     Forschungsanstalt Geisenheim

Berlin, den 19. September 2009


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