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Ordnung und Übersicht im Pflanzenreich
10. Teil

Übersicht über die hauptsächlichen Veränderungen in den Familien:
Der Fall 15: Die "alten" Saxifragaceae

Nach Einleitung, Historischem, grundlegenden Merkmalen für die Gruppierung, Benennung der Pflanzen und Umordnungstendenzen in den übergeordneten Gruppierungen und einer Liste der 36 wichtigsten Veränderungen in einem Teil 1, Teil 2 und Teil 3 wurde ein Beispielfall, die "alten" Liliaceae und Amaryllidaceae, dargestellt.

Der zeitlich nächste "Fall", in unserer Liste an Stelle Nummer 15 (Beitrag 7) ist die "alte" Familie Saxifragaceae (Steinbrechgewächse). Auch diese Familie war ein Sammelbecken mit großer Vielgestaltigkeit, wenn auch nicht in dem riesigen Ausmaß wie die "alten" Liliaceae.

Adolf Engler schreibt im Band 18a der 2. Auflage von 1930 des Sammelwerkes "Die natürlichen Pflanzenfamilien":
"Bei der Mannigfaltigkeit der Blütenverhältnisse ... ist es nicht zu verwundern, daß die Systematiker und Morphologen die Familie bald weiter, bald enger gefaßt haben."

Er führte schon damals aus, dass es bereits im 19. Jahrhundert starke Auftrennungstendenzen in viele einzelne Familien gab, war aber selbst ein Vertreter der Zusammenfassung, obwohl er an mehreren Stellen seiner Ausführungen betonte, wie uneinheitlich die Familie sei.

Wie im vorangehenden Beitrag 9 ist eine Zeitgrafik zusammen gestellt worden, welche die Geschichte der Systeme grob umreißen soll. Wieder soll darauf hingewiesen werden, dass das Schema viele Vereinfachungen enthält, damit die großen Tendenzen besser sichtbar werden. Die farblichen Unterlegungen entsprechen den übergeordneten Gruppierungen und zeigen, wie die Familien zusammen gehören. Das für uns maßgebliche System der APG ist andersfarbig hervorgehoben.

Der Fall ist bei weitem nicht so komplex wie der der "alten" Liliaceae und Amaryllidaceae. Aber während dort nur ein ganz kleiner Teil in andere Ordnungen abgewandert ist, betrifft es hier größere Bereiche der "alten Familie". In der durch Einrahmung hervorgehobenen Ordnung Saxifragales sind nur die Grossulariaceae (Stachelbeergewächse) und die ("Rest")-Saxifragaceae (Steinbrechgewächse) verblieben. Die Francoaceae (Brautkranzgewächse) sind in die Ordnung Geraniales neben die Melianthaceae (Honigstrauchgewächse) "gewandert", von denen sie noch nicht besonders klar abgetrennt werden können (weniger als 50 % Sicherheit nach dem Stammbaum von APG). Die Gattung Parnassia (Herzblatt) ist sogar zu einer anderen Familie zugeordnet worden, den Celastraceae (Spindelbaumgewächse - Ordnung Celastrales), die wir von Euonymus (Pfaffenhütchen) her kennen. Und schließlich sind die Hydrangeaceae (Hortensiengewächse) in die Ordnung Cornales gekommen, direkt neben die Loasaceae (Blumennesselgewächse). Auch hier ist die Trennschärfe zu dieser Familie noch weniger als 50 % APG. Die Ordnung Cornales gehört zu einem ganz anderen Zweig des Stammbaumes. Die Familie Escalloniaceae (Andenstrauchgewächse) konnte bisher nicht konkret einer anderen oder einer neuen Ordnung eingepasst werden.



Verwandtschaft der "alten" Pflanzenfamilie Saxifragaceae



Dieses Schema ist mit einer PDF-Datei hinterlegt, in der Sie die Familien in besser lesbarer Form wieder finden.

Das Schema für die Saxifragales verdanken wir der freundlichen Genehmigung von Prof. Dr. Peter Stevens APG, Universität von Missouri, St. Louis, USA. Zu dieser Ordnung gehören als für uns interessante Familien auch die Paeoniaceae (Pfingstrosengewächse), Hamamelidaceae (Zaubernussgewächse), Crassulaceae (Dickblattgewächse) und die Haloragaceae (Tausendblattgewächse), die durch das für Aquarianer interessante Myriophyllum (Tausendblatt) bekannt sind.



Ordnung Saxifragales


Betrachten wir nun einige Vertreter der uns hier interessierenden Gruppen. In der Familie Saxifragaceae (Steinbrechgewächse) gibt es im Prinzip zwei Gruppen von gärtnerisch interessanten Pflanzen. Das sind zum einen die meist kleinen polsterbildenden, rosettig oder rasig wachsenden Arten der Gattung Saxifraga (Steinbrech), die am besten im Alpinum Platz haben.
Die andere Gruppe sind Pflanzen mit großen Blättern und Rhizomen: die Bergenia (Bergenien) und Darmera (Schildblatt) sowie Stauden mit schönen Blütenständen, die Astilbe (Prachtspiere), und eine ausgesprochene Schauwirkung geht von Rodgersia (Schaublatt) aus.



Grossulariaceae (Stachelbeergewächse):
Anders geartet sind die Pflanzen dieser Familie. Die Vertreter der Gattung Ribes sind wichtige Beerengehölze (Stachel- und Johannisbeere). Aber es gibt auch als Zierpflanzen genutzte Arten.




Andere Saxifragales:
Hier sehen Sie Vertreter aus den Familien im Umfeld von Saxifragaceae und Grossulariaceae.



Francoaceae (Brautkranzgewächse):
Diese Pflanzen sehen zwar äußerlich den Saxifragaceen ähnlich. Die Summe der Merkmale veranlasst aber zu anderer Einordnung. Die mit ihnen verwandten Melianthaceae (Honigstrauchgewächse) sind eindrucksvolle Zierpflanzen vor allem in warmen Klimaten.



Parnassia:
Das Herzblatt hat oft, so auch bei GRIN, den Rang einer eigenen Familie Parnassiaceae bekommen. Die Angiosperm Phylogeny Group APG ordnet es den Celastraceae zu. Es ist somit eine Verwandte des Pfaffenhütchens.


Gärtnerisch wichtig sind die Hydrangeaceae (Hortensiengewächse). Zu ihnen gehören neben den sehr beliebten Hortensien auch Philadelphus (Pfeifenstrauch), Deutzia (Deutzie), Kirengeshoma (Wachsglocke) und Deinanthe (Scheinhortensie), alles sehr schöne Gehölze oder Halbsträucher.
Zu den eng verwandten Loasaceae (Blumennesselgewächse) zählen einige bemerkenswerte Pflanzen mit Nesselhaaren aus den Gattungen Blumenbachia (Blumenbachie), Loasa (Loase) und Caiophora (Brennwinde) sowie die schöne Sommerblume Mentzelia (Mentzelie).


Im nächsten Beitrag beschäftigen wir uns nun schließlich mit einer erst neuerdings erfolgten Auftrennung, mit dem Fall 31 im Teil 3 unserer Liste, der "alten" Familie Scrophulariaceae.


Berlin, den 03. Oktober 2009

©   Dr. Joachim Keller - Quedlinburg

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