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Besichtigung des Bundeskanzleramtes

Der Besuch war am 18. September 2010
im Rahmen der Mitgliederversammlung 2010 der DGHK

© Text und Bilder Jochen Euler
© Bilder Hydrotip.de

Das Kanzleramt ist seit 1981 eine der großen Sehenswürdigkeiten Berlins.

Die Berliner Architekten Axel Schulte und Charlotte Frank, Gewinner eines Wettbewerbes, entwarfen das "Band des Bundes", dessen Gebäude über die Spree reichen und so Ost und West miteinander verbinden.

Das in den "Band des Bundes" integrierte Kanzleramt besteht aus einem neungeschossigen Mittelbau, dem Leitungsgebäude, und niedrigeren lang gestreckten Flügeln. Kennzeichen des Leitungsgebäudes ist der 18 m hohe Halbkreis im oberen Teil der Fassade. Die gläsernen Fassaden des Bundeskanzleramtes vermitteln Transparenz und Weitläufigkeit. Zwölf Meter hohe, weichgeformte Stelen, die auf den ersten Blick wie Säulen wirken, strukturieren die Glasfassaden und vermitteln Perspektiven, in denen Innen und Außen des Gebäudes ineinander übergehen.


Das bebaute Grundstück ist mit Hubschrauberlandeplatz und Kanzlerpark 73.000 m² groß. Mit einer Gesamtfläche von 12.000 m² und einer Höhe von 36 m übertrifft das Gebäude die Berliner Traufhöhe von 22 m und ist eines der größten Regierungshauptquartiere der Welt (achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington, zu dem allerdings noch weitere Gebäude gehören).

In der Broschüre Architektur und Kunst - das Bundeskanzleramt sind die wichtigsten Stichpunkte zusammen gestellt worden.

Das Hauptwerk im Kanzleramt bildet die monumentale Eisenskulptur Berlin im Ehrenhof, in dem die Staatsgäste empfangen werden. Der baskische Bildhauer Eduardo Chillida schuf die 5,5 m hohe und 87,5 Tonnen schwere Skulptur, sie weckt mit ihren zwei sich beinahe berührenden Armen Assoziationen wie Annäherung, Teilung und Vereinigung, was als beabsichtigte politische Symbolik verstanden werden kann.

Für den inneren Eingangsbereich wurde der deutsche Maler Markus Lüpertz eingeladen, ein Programm für die sechs runden Wände des zentralen Treppenhauses zu entwickeln. Markus Lüpertz schlug sechs "Farbräume" vor, die nach dem Muster alter Malerhandbücher sowie der mittelalterlichen Tugend- und Temperamentenlehre gestaltet sind.
So verweist die Farbe Blau auf Weisheit, Umbra (als so genannte Löwenfarbe) auf Kraft und Stärke, Rot auf die Tugend der Tapferkeit, Ocker-Gold auf Gerechtigkeit und die Kombination von Grün und Weiß auf Klugheit.

Vor der nördlichen Freitreppe steht die Bronzestatue des Künstlers, "Die Philosophin", die als Inbegriff des nachdenklichen Menschen zu verstehen ist.

"Nirgendwo sah ein Kanzler aber bisher so imperatorenhaft, bismarckig und maßlos mächtig aus wie Immendorffs Goldschröder. Mit ihm, verrät das Porträt, beginnen eine neue Politik und eine neue Bildsprache: Hier steht, nicht Mensch, sondern Ikone, der eiserne Medienkanzler, der ganz zum Bild gewordene Herrscher.
Dazu kommen allerdings ein paar eigenartige Bildbeigaben. Es ist das erste Mal, dass ein reiches ikonographisches Programm das Kanzlerporträt begleitet - ganz so, als sei die Kanzlerschaft Schröders erläuterungsbedürftig. Über seinen Schultern tummeln sich Affen. Immendorff erklärt die Affen als Hommage an den Kanzler, der sich "um die Künstler gekümmert" habe; allerdings sind Affen nicht nur Symboltiere der Künstler, sondern auch die der großen Illusionisten und Gaukler und bleiben damit doppeldeutig. Entsprechend können die weißen Linien über dem Kopf des Kanzlers wahlweise positiv gedeutet werden, als von der hochenergetischen Art des Basta-Kanzlers ausgehende Blitze, die das Land elektrisieren; neutral als Marmoradern oder negativ, als Spinnweben über gescheiterten Hoffnungen.

In die goldene Büste ragen, wie klassische Herrscherinsignien, zwei Dinge herein: Ein verpummelter Bundesadler, der aussieht, als wäre er aus Zigarrentabak zusammengerollt, und eine gebrochene schwarze Figur. Was bedeutet das? Vielleicht steht der Cohiba-Adler für eine hedonistisch entspannte Haltung zur Staatsführung und der gebrochene Teufel für die Dämonen, die der eiserne Schröder besiegte - die Atomlobby, die Gegner der Agenda 2010, die Blairs und Bushs, die große Elbflut.

Immendorff sagt, der gebrochene Mann sei er selbst, aber Künstlern darf man nie glauben, und womöglich steckt eine subtile Kritik am Gasprom-affinen Schröder in diesem Bild: „Goldfinger", singt Shirley Bassey im Titelsong des gleichnamigen Films, „he's the man, the man with the Midas touch / A spider's touch / Such a cold finger beckons you to enter his web of sin." Ein Spinnennetz kann man auch auf diesem Bild erkennen - und spätestens dann drängt sich die Frage auf, wer der mächtige Mann sein könnte, der hier sein Opfer vergoldete." (F.A.Z., 19.01.2007)


Auch hier noch zwei links: Zentrale der Macht - Das Bundeskanzleramt und unsere Bundeskanzleramt-Fotosammlung.


Berlin, den 27. November 2010

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