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Floriade 2012

Welt-Garten-Expo, Venlo - Niederlande 5. April bis 7. Oktober 2012

Diese vielgepriesene weltgrößte Gartenausstellung (Eigenwerbung) hält in keinem Fall, was die Werbung auf der eigenen Internetseite verspricht. Diese Schau liegt mit ihrem Niveau noch weit unter einer der Landesgartenschauen in Deutschland, nur daß sie von der Fläche her weitaus größer ist. An Größe gewinnt ebenfalls der Eintrittspreis von 25 EURO für ein Tagesticket zuzüglich der obligatorischen Parkgebühr von 10 EURO.

Dieses Geld kann sicher besser angelegt werden.
In fast jedem kleinen Schloss- oder Stadtpark finden Sie sicher besser gepflegte und abwechslungsreicher bepflanzte Blumenbeete. Auf dieser Floriade scheinen die überaus zahlreichen Shops mit viel Tand wichtiger zu sein.


Wir begannen unseren Rundgang in der großen Blumenhalle “Villa Flora“. Hier gibt es viele schöne Pflanzengruppen. Die meisten Pflanzennamen waren durch kleine Holzschilder angezeigt, aber auch bei vielen, selbst weniger bekannten Pflanzen, fehlten die Namen. Das ist immer noch besser, als daß völlig falsche Namen angebracht sind. So wurden zum Beispiel Hybriden des Disocactus (Syn. Epiphyllum) als Schlumbergera (Weihnachtskaktus) benannt.

Neben den schön angelegten Pflanzengruppen gab es, wie immer auf solchen Ausstellungen, florale Kunstwerke, an denen sich Floristen ausgetobt haben. Für manchen Betrachter mag es vielleicht schön aussehen, aber es bleibt eben Geschmackssache. Es stellt sich die Frage: was will der Künstler damit sagen? Hier fehlen Erklärungen.


Positiv war eine Halle, in der Jugendliche an den Umgang mit Pflanzen für die Ernährung herangeführt werden sollten, mit dem negativen Beigeschmack, daß es eine reine Werbeschau verschiedener Firmen war.

In einer weiteren Halle wurde die ökologische Nutzung der vorhandenen Ressourcen in der Natur für die Zukunft vor Augen geführt. Die vorhandenen Erklärungen reichen für Laien allerdings nicht aus.


Diese positiven Darstellungen wurden in einer anderen Halle gleich wieder über den Haufen geworfen. “Der Baum“ -  Ja, es stand einer da, um den eine Halle gebaut war. In der Halle selbst waren nur Bilder aufgehängt. Reliefartig wurden Bäume mit Namen abgebildet. Es war aber nicht zu erkennen, ob es tatsächlich dieser Baum ist. Der Rest war Multimedia.

Es reicht noch nicht, daß wir schon Pflanzen aus der Natur “reißen“ und als sogenannte Zimmerpflanzen in den Wohnbereich entführen. Nein, nun hält schon Multimedia in der Pflanzenwelt Einzug. Es gab kaum eine Stelle auf dieser Ausstellung, bei der kein Multimedia vertreten war.

Überall Multimedia und Monitore. Irgendwann werden wir in den Wald oder Schrebergarten gehen und dort auf Monitore schauen. In den Balkonkästen und Pflanzkübeln, sowie auf der Fensterbank stehen dann keine Pflanzen mehr, nein, wir nutzen die Monitore, um die Natur (?) zu genießen.
Sicher wird es bald Programme geben, mit denen der Pflanzenfreund dann seine Pflanzen am PC gießen und düngen kann? Die Programmierer dürfen dabei nicht vergessen die entsprechenden Pflegefehler mit in die Programme einzubauen. Bei Pflegefehlern auftretende Schädlinge dürfen auch nicht vergessen werden.


Auffallend waren die vielen Wandbepflanzungen, teilweise in schrägen, flachen und wannenartigen Kästen, aber auch mit Sisalmatten hinter Haltegittern. Bei manchen konnten wir schon zahlreiche Ausfallerscheinungen sehen. Es findet sich an keiner Stelle eine detaillierte Erklärung über Funktion und Pflege. Wir meinen, daß diese Anlagen noch nicht ausgereift sind, sondern noch voll in den Kinderschuhen stecken.

Wirklich Bemerkenswertes konnten wir nicht entdecken. Personen ohne Vorkenntnisse über Pflanzen sind an manchen Stellen schlecht bedient. Sie werden nicht verstehen, was da erklärt werden soll. Da kann auch Multimedia nicht viel bewirken.

Einen groben Fehler entdeckten wir noch in einer Halle, wo ein mexikanischer Garten “demonstriert“ wurde. Hier waren dann Orchideen aus Asien und nicht aus Amerika gepflanzt.

Die positiven “Aha-Effekte“ gab es nicht.
In den heißen Sommermonaten werden die Besucher kaum schattige Sitzgelegenheiten finden, um sich bei den sehr weiten Wegen etwas ausruhen zu können.  Es ist das gleiche Problem wie auf der Bundesgartenschau 2005 in München. Es gibt nur Schatten in den Wäldern, aber dort keine Sitzgelegenheiten.


Die Gastronomie in der “Villa Flora“ ist, schwach ausgedrückt, “eine Frechheit“. Sehen Sie dazu das Bild. Kaffeebecher aus Pappe, nur zur Hälfte gefüllt und das fade Gebäck zu einem Preis von 9,50 EURO.  Also keinerlei Preis- Leistungsverhältnis.

Fazit:
Die Stadt Venlo ist für diesen Sommer in aller Munde. Die Infrastruktur wurde verbessert und mancher hat sich wieder eine goldene Nase verdient.
Wir wollen niemanden davon abhalten nach Venlo zu fahren, um sich diese Ausstellung anzusehen.  Er kann sich dann sein eigenes Urteil dazu bilden. Wer allerdings erwartet auf der Floriade gute und brauchbare Informationen über Pflanzen zu finden, ist dort falsch aufgehoben.

Was die Werbung auf der Internetseite der Floriade vor gaukelt, wird nicht gehalten. Beim Besuch dieser Seite wird der Nutzer eigentlich nur im Kreis herumgeführt. Auf der linken Seite stört ein in Pink springender Telefonhörer gewaltig. Die Floriade-Nachrichten sind mit zwei Beiträgen mehr als dürftig. Auf jeder Seite wird der Leser aufgefordert Tickets zu kaufen.
Dieser Satz steht auch noch auf der Internetseite:
Dieses einzigartige Spektakel von Weltformat dürfen Sie einfach nicht verpassen!

Wir meinen dagegen:
Sie dürfen es verpassen! Sie haben nichts verpasst, wenn Sie nicht hinfahren. Und dabei viel Geld gespart.

Wir hoffen, daß die geneigten Leser die Ironie an manchen Stellen dieses Beitrages verstehen werden.
Es wird noch einige Beiträge mit Details von einzelnen Hallen geben, denn der negativen Äußerungen gibt es hier schon genug.

Schauen Sie bitte in die Galerie der Bilder, die wir von der Floriade gemacht haben. Dort sehen Sie viele Pflanzen mit detaillierten botanischen Namen, aber auch alle anderen Bilder, von denen viele eher kritisch zu sehen sind.

Berlin, den 08. Mai 2012

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