..:: Pflanzen & Hydrokultur - Hydrotip - Giftige Pflanzen als Weihnachtsschmuck ::..

Giftige Pflanzen als Weihnachtsschmuck

Teil 2

Die typischen Dekorationspflanzen zur Weihnachtszeit sind nicht nur sehr schön, sondern oft auch sehr giftig.
Sie sind zur Zeit hochaktuell, weil sie überall zum Ausschmücken der Wohnungen herumstehen. Arrangements und Trockengestecke enthalten neben harmlosen Pflanzen häufig auch Giftpflanzen. Dieser pflanzliche Weihnachtsschmuck kann für Kleinkinder und Haustiere bei ungenügenden Vorsichtsmaßnahmen zu einer echten Gefahr werden. Aus diesem Grunde sollen einmal die häufigsten giftigen Weihnachtspflanzen zusammengestellt und besprochen werden.
Den ersten Teil finden Sie unter Giftpflanzen als Weihnachtsschmuck

Mäusedorn

Ruscus aculeatus L.  (Familie Asparagaceae - Unterfamilie Nolinoideae)
Die sehr dekorativen Zweige von Ruscus aculeatus L. und anderen Ruscus - Arten werden zur Zeit in Blumengeschäften verkauft. Auf den blattartigen, stachelspitzigen Flachsprossen sitzen meist einzeln kugelige, rote Beeren mit einem Durchmesser von etwa 1 bis 1,4 cm. Ein sehr beliebter Weihnachtsschmuck ist in Spanien ein beerentragender Ruscuszweig, der in einem Korkeichenstück steckt; auch bei uns wird dieser hübsche Schmuck immer mehr angetroffen.
Die roten, verlockenden Beeren enthalten Saponine, vor allem Ruscogenin.


Schlafmohn
Papaver somniferum L. (Familie Papaveraceae)
Die getrockneten Kapseln von Papaver somniferum L. und anderer Mohnarten, wie zum Beispiel Papaver orientale L. , werden häufig in Trockengestecken sowie auf Kränzen gesehen. Schlafmohnkapseln des Blumenhandels sollten durch oxidative Zerstörung des Morphins entgiftet sein. Es kann nicht garantiert werden, dass sich nicht doch morphinhaltige Kapseln im Blumenhandel befinden. Zierarten von Papaver somniferum L. , welche auch Morphin enthalten, sind in Gärten verbreitet und werden dann auch für Trockengestecke benutzt, ebenso die kleineren Kapseln des oft angepflanzten, thebainhaltigen Papaver orientale L..


Lampionblume, Blasenkirsche
Physalis alkekengi L. (Familie Solanaceae)
Die Lampionblumen mit ihren orangefarbenen Laternchen beleben manches Trockengesteck. Die derben Kelchblätter von Physalis schließen sich zur Reifezeit zu einer blasig, glockigen, orange "Kapsel" (Laternchen) zusammen, welche eine kirschengroße, scharlachrote Beerenfrucht enthält. Alkaloide sind nur in den Rhizomen vorhanden. Die rote, säuerlich schmeckende Beere dürfte, wenn sie reif ist, ziemlich harmlos sein. Allerdings sind einige Fälle von Kleinkindern mit Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfen bekannt geworden. Inwieweit die Physaline für die immer wieder beschriebene geringe Toxizität der unreifen Früchte und der anderen oberirdischen Pflanzenteile verantwortlich sind, ist bis heute nicht völlig geklärt .

Paternostererbse
Abrus precatorius L. (Familie Fabaceae)
Die Paternostererbsen sind eiförmig bis ellipsoid und 5 bis 9 mm lang; etwa drei Viertel der schönen, glänzenden Samenoberfläche ist blutrot und etwa ein Viertel schwarz. Verantwortlich für ihre hohe Toxizität sind Lectine, die sogenannten Abrine, welche zu den stärksten biogenen Giften gehören. In Florida gab es Todesfälle von Kindern, welche ein bis zwei Paternostererbsen zerkaut hatten. Diese tödlichen Vergiftungsfälle ereigneten sich allerdings mit frischen Samen; die getrockneten harten Samen in den Trockengestecken sind viel schwerer zu zerkauen.
Bei schweren Vergiftungen werden die folgenden Symptome beschrieben: Erbrechen, Durchfall, Nierenschäden, Krampfanfälle, Lähmungserscheinungen, Koma und Tod durch Atemlähmung.
Von der Verwendung der Paternostererbsen in Trockengestecken ist dringend abzuraten; auch sollten nicht mehr Halsketten und Rosenkränze von diesen hochtoxischen Samen hergestellt werden.

Rentierflechte

Cladonia stellaris  (Cladoniaceae)
Die aus Skandinavien stammende Rentierflechte, auch Silbermoos genannt, wird als dekoratives Füllmaterial in Gestecken angetroffen, auch wird sie zur Herstellung von Büschchen und Bäumchen rund um die Weihnachtskrippe verwendet. Im Norden leiden Sammler von Rentierflechten häufig unter Handekzemen. Auch bei uns kommt es zur Weihnachtszeit ab und zu, zu Kontaktallergien mit dieser Flechte. Für die sensibilisierende Wirkung von Cladonia sind zwei Allergene verantwortlich, nämlich die Usninsäure und vor allem die Perlatolsäure.




Amerikanische Baumwolle

Gossypium hirsutum
L. (Malvaceae) Die amerikanische Baumwolle ist die am häufigsten kultivierte Baumwollart; ihre Zweige mit den schönen, großen, weißlichen Rohwattebäuschen werden in Bastel- und Blumengeschäften verkauft. Cottondermatitis ist schon lange bei Leuten, welche mit der Ernte oder Weiterverarbeitung der Rohbaumwolle beschäftigt sind, bekannt.
Sie kann aber auch bei uns durch Kontakt mit der Rohbaumwolle auftreten. Das verantwortliche Allergen ist p-Hemigossypol, eine chinoide Verbindung.



Giftige Beerenarrangements
Die eigentliche Beerensaison ist zwar vorbei, doch soll daran erinnert werden, dass die verschiedenen toxischen Beeren noch lange Zeit, oder sogar über den ganzen Winter, an den Sträuchern hängen bleiben. Diese Beeren dienen auch zum Ausschmücken von Arrangements und Adventskränzen.
Zweige von Cotoneaster salicifolius Franch. mit roten Früchten, ein Ligusterzweig mit glänzenden schwarzen Früchten und hängend die roten Früchte des Schneeballs (Viburnum opulus L.) über Eiben- und Buchszweigen sind vortreffliche Kreationen. Erst nach Einnahme von größeren Mengen dieser Beerenfrüchte kam es bei Kindern zu Gastroenteritis.

Der Weihnachtsbaum
Picea oder Abies Arten (Familie Pinaceae)
Zum Schluss soll noch auf einige Gefahrenquellen des Weihnachtsbaumes hingewiesen werden. Weihnachtsbaumallergien sind wiederholt beschrieben worden.
Diese Allergien wurden vor allem durch Terpene und Terpenoide des Baumes, aber auch durch damit eingeschleppte Pollen, sowie durch Schimmelpilze verursacht.
Für kleine Kinder sind aber auch gewisse Dekorationen am Weihnachtsbaum eine Vergiftungsgefahr. So können Engelshaare, die aus Glasfasern bestehen, eine mechanische Schädigung der Augen, der Haut und der Atemwege hervorrufen.

Schlussfolgerungen
Toxische Weihnachtspflanzen führen jedes Jahr zu Zwischenfällen bei Kindern und Haustieren.
Aus der Literatur geht hervor, dass es sich bei Kindern nie um schwere Vergiftungen gehandelt hat. Daraus darf nicht geschlossen werden, dass "solche Vorfälle immer harmlos sind", wurde doch häufig nach Aufnahme größerer Giftpflanzenmengen prophylaktisch dekontaminiert (Ipecac-Emesis). Die besten Vorbeugungsmaßnahmen zur Vermeidung von Vergiftungen sind gute Pflanzenkenntnisse und das Fernhalten der giftigen Pflanzen von kleinen Kindern und Haustieren.

Jochen & Gabriele Euler
nach Rita Jaspersen-Schib, Zürich

Berlin, im Dezember 2014

Dieser Artikel erschien bereits auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur

© für die Bilder, wenn nicht anders vermerkt, liegt bei Hydrotip.de

Neue Artikel

Grüne Veranstaltungen