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Wohnidee Ausgabe 1-2001

Am 25.04.2001 entdeckte ich in einem Gartencenter eine gut "aufgemachte" Broschüre, die mich zugreifen ließ.
Der Titel "Zimmerpflanzen - Schöne Dekorationen mit Blumen und prächtigem Grün". Sie stammt vom gleichen Verlag wie die Zeitschrift "WOHNIDEE, wohnen + leben". Das Logo der Zeitschrift prangt auch auf der Broschüre, die kostenlos abgegeben wurde.

Die Aufmachung ist sehr ansprechend und neben zahlreich namentlich benannten Pflanzen werden auch reichlich Hinweise für Einrichtungsgegenstände und Accessoires gegeben. Der Hauptteil bezieht sich auf die Zimmerpflanzen. Leider haben sich aber einige Fehler eingeschlichen, die nicht jedem auffallen werden.

Also "Ideen" ja, aber ob deren Verwirklichung den Pflanzen gut bekommt, oder ob die Pflanzen dann optimal weiterwachsen können? Ich sage nein!
Es wäre besser, wenn manches genauer erläutert wäre.

Ich greife einige Beispiele heraus:
Quelle für alle auf dieser Seite gezeigten Bilder: Broschüre Zimmerpflanzen vom Heinrich Bauer Verlag

Zitat - Bildunterschrift Seite 2:
"Alles Grüne kommt hier von oben. Aufgereiht auf einem mit Seilen an der Decke befestigten Bord ranken Birkenfeige, Muehlenbeckia und Leuchterblume - allesamt kleinblättrig - auf den Esstisch zu. So begrünen sie ihn, ohne auf ihm Platz wegzunehmen. Stören zu lange Triebe, werden sie gekappt oder nach oben umgelenkt" Zitat Ende.

Da ist leider ein sehr grober Fehler drin. Unter den abgebildeten Pflanzen ist keine Birkenfeige! Die Birkenfeige ist ein Baum. Kletter-Ficus oder Ficus púmila wäre richtig gewesen, denn seine Blätter sind in der Mitte auszumachen.
Ich halte es auch nicht für hygienisch Pflanzen über einem Esstisch zu platzieren.

Zitat - Bildunterschrift Seite 3
"Grüne Hängepartie im Bad: Schwertfarne. In den Zinktöpfen dieses Hängegestells (1 m hoch) erobern sie schnell die ganze Ecke. Das anspruchslose Trio mit langen gefiederten und gekrausten Wedeln wächst bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme auch bei wenig Licht rasant".Zitat Ende.

Schöner Vorschlag. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme werden im Bad sicher vorhanden sein. Ein rasantes Wachstum werden die Farne aber nicht erreichen, denn in der Ecke, auch neben einem Fenster ist zu wenig Licht! Besonders die oberste Pflanze bekommt kaum Licht! Die Farne sind zwar sehr beliebte Pflanzen, aber anspruchslos sind sie nicht. Sie müssen zwar recht feucht gehalten werden, vertragen aber keine Staunässe und mögen keinen Gießkannenstrahl von oben. Außerdem ragen die Farnwedel, bei rasantem Wachstum zu weit über das Waschbecken, daß der Nutzer des Beckens, jetzt schon, nur mit Verrenkungen an dieses kommt.

Zitat - Bildunterschrift Seite 6
"Blüten wie zarte Schmetterlinge. Wochenlang blüht die Nachtfalter-Orchidee; sogar bis zu dreimal im Jahr. Wichtig ist nur eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wer abgeblühte Rispen bis zu Hälfte einkürzt, erhöht die Chance auf Neuaustriebe. Steine und Moos betonen die fernöstliche Anmutung"
Zitat Ende.
Wunderschön anzuschauen, aber soweit weg vom Fenster blühen diese Orchideen nicht dreimal im Jahr. Es ist sogar fraglich, ob an diesem Standort die restlichen Knospen aufgehen. Auch wäre es besser die Aussage "wer abgeblühte Rispen ....." anders formuliert wäre. Die Rispe ist die Stelle, an der die Blüten selbst sitzen. was aber gekürzt (nicht zur Hälfte) werden soll ist der Blütenstiel.
Wo? - oberhalb eines sichtbaren "Knotens".

Zitat - Bildunterschrift Seite 6
"Hoch soll er stehen dieser Bambusstamm. Dieser imposante Bambus thront in einer mit Moos und Gras bepflanzten Zinkwanne auf einem Metalltisch. So braucht man sich beim Gießen nicht zu bücken. Und gegossen werden muß ein Bambus reichlich ..."
Zitat Ende.

Es ist positiv, daß man sich hier beim Gießen nicht bücken muß, aber beugen Sie sich mal über das Waschbecken! Dann stoßen
sie den schönen Bambus vielleicht von seinem Podest. Seine Schönheit wird dieser imposante Bambus aber auch nach kurzer Zeit verlieren, denn die Pflanzenkrone bekommt auch bei geöffneter Jalousie kein Licht.

Zitat - Bildunterschrift Seite 8
"Als Solisten am Besten: Bananenstauden. Riesig wie diese palmähnliche Pflanze mit ihren bis zu einem Meter langen Blättern den Raum füllt. Gern lässt man sich ihr zu Füßen nieder. Sie steht am liebsten hell, braucht kalkfreies Wasser, verträgt aber keine Staunässe". Zitat Ende.

Sehr positiv muß ich bewerten, daß diese Pflanze hier zuerst richtig als Staude bezeichnet wird. Die Bezeichnung "Bananenbaum" hat sich nämlich im Sprachgebrauch bereits sehr breit gemacht. Einen hellen Standort hat sie aufgrund ihrer Größe in diesem Raum nicht, denn es kommt nicht genug Licht an die Pflanzenkrone. Neben einem hellen Standort braucht eine Bananenstaude aber auch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Und Staunässe verträgt keine Pflanze.

Zitat - Bildunterschrift Seite 13

"Grünes Trio in auffallenden Töpfen. So attraktiv die beiden Kálanchoë und die Mini-Tillandsie auch sind, die Töpfe mit reihenweise aufgeklebten Bastzöpfen machen sie noch interessanter. Alle Pflanzen mögen es am liebsten hell und warm". Zitat Ende.

Die Aussage hell und warm ist richtig. Aber bei genauer Betrachtung des Bildes erkennt man, daß dieser Platz weit im Raum ist. Hier können diese Pflanzen nicht überleben. Ein Platz direkt auf einer Fensterbank mit sehr viel Licht ist für eine erfolgreiche Kultur dieser Pflanzen notwendig.


Zitat - Bildunterschrift Seite 14
"Orchideenblüten stilvoll gespiegelt. Ein optischer Trick, die exotische Schönheit der Nachtfalter-Orchideen von allen Seiten zu zeigen: Der Spiegel hängt so hoch, daß er nur die Blüten vervielfältigt. Sehenswert auch. die attraktiven Schalen". Zitat Ende.

Sehr schön dargestellt, aber der Spiegel macht den Standortnachteil (viel zu wenig Licht) nicht wett. Für eine Ausstellung mag der Effekt positiv wirken. Beim Betrachten des Bildes stellte sogar ein Laie in Bezug auf Pflanzenpflege sofort fest, daß die Orchideen so unter Lichtmangel leiden werden.

Zitat - Bildunterschrift Seite 16
"Stets vorrätig: frische Küchenkräuter. Ob Zitronenmelisse, Thymian, Salbei oder Petersilie - alle gedeihen im Topf, wenn der wie hier im Zinkgestell an der Wand am Küchenfenster hängt. So reicht ein Handgriff, um zu ernten. Pfiffig: Ein Topf dient als Besteckkasten". Zitat Ende.

Sieht zwar gut aus, aber ist nicht pfiffig genug. Der "Besteckkasten" gehört links hin, wo weniger Licht ist. Aber insgesamt ist an solch einer Stelle fast gar kein Licht, denn es kann ja nicht um die Ecke kommen. Außerdem behindert ein Vorhang den Lichteinfall. So halten die Kräuter maximal eine Woche. Dafür sind die Kräutertöpfe im Handel aber zu teuer.

Zitat - Bildunterschrift Seite 21
"Ein Fenster zeitgemäß begrünt. Akkurat aufgereiht standen Blumen früher, heute treten sie kompakt auf. Zur grünen Gesellschaft gehören hier ein Philodendron, zwei Einblätter und Hortensien, teilweise auch in zweiter Reihe stehend. Zinkgefäße und die Beschränkung auf weiße Blüten bringen Ruhe in die gemischte Pflanzengruppe".  Zitat Ende.

Die Hortensie auf der Fensterbank steht gut. Daß ein Einblatt (Spathiphýllum) in der zweiten Reihe stehen kann ist auch richtig. Ein Platz für den Philodendron in der zweiten Reihe ist ebenfalls gut, aber bitte nicht in der Ecke. An dieser Stelle ist die abgebildete Pflanze keineswegs so prächtig geworden.

Berlin, den 29. April 2001


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