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Vorweihnachtlicher Glanz oder Pflanzentod auf Raten

Eingefärbte Weihnachtssterne - was Züchter nicht schaffen, die Marketingleute zeigen es uns!

Eingefärbte Euphorbia pulcherrima
Die allseits, besonders um diese Jahreszeit, beliebten Weihnachtssterne stehen wieder in den Läden, egal ob in den Fachgeschäften oder zwischen Butter und Klößen, zum Verkauf. Wie immer viel zu früh, denn wer sich jetzt schon einen Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) kauft, wird ihn bis Weihnachten möglicherweise kaputtgepflegt haben. Sicher können die Poinsettien auch das ganze Jahr über gepflegt werden. Nur die Einfärbung der Hochblätter, die diese Pflanze so beliebt macht, erfolgt gerade in dieser Jahreszeit, wenn es auf Weihnachten zugeht.

Die vorhandenen Züchtungen haben Hochblätter in kräftig rot, rosa, kremfarben und panaschiert in rosa mit kremfarbenen Stellen. Am natürlichen Standort "blühen" die Poinsettien mehr oder minder stark das ganze Jahr über.



Was ich aber in diesem Jahr, sowohl in den Gartenabteilungen von Baumärkten als auch in Gartencentern, entdeckte haben sich nur "findige" (?) Marketingstrategen ausdenken können. Und das lässt die Weihnachtssterne sicher nicht lange überleben.

Ich staunte nicht schlecht, als mir vor zwei Wochen plötzlich "blaue" Poinsettien ins Auge stachen.

Es war keine neue Züchtung! Nach genauerem hinsehen stellte ich fest, daß hier jemand mit einer Farbspritze am Werk war. Nein es war kein Graffitisprayer. Neben blauen Poinsettien gab es noch gelbe, sowie orangefarbene und sogar mit silberner Farbe eingesprühte Hochblätter. Verwendet wurden dazu die Poinsettien mit kremfarbenen Hochblättern. Gold eingesprühte Hochblätter entdeckte ich (noch) nicht, vielleicht waren die noch nicht eingesprüht. Dafür hatten aber die mit original kräftig roten Hochblättern Goldflitter abbekommen.

Das alles sieht vielleicht recht "lustig" aus, aber über Geschmack lässt sich auch streiten.
Nur die Pflanzen haben nicht viel davon.
Bei manchen Pflanzen waren ein Teil der grünen Blätter gleich mit Farbe eingesprüht. Aber nicht nur Farbe wird versprüht, sondern auch reichlich Goldflitter. Lesen Sie dazu Es wird immer toller – Floristen toben sich aus.

Bekanntlich findet über die Blätter die Fotosynthese statt, wie aber, wenn die Blätter mit Farbe eingesprüht sind? So sind diese Pflanzen gleich zum sterben verurteilt. Außerdem werden sie dadurch zu sogenannten Marktpflanzen degradiert. Dafür sind die Weihnachtssterne aber zu teuer. Die Farbe muß ja auch noch bezahlt werden.




Die gleiche UNSITTE, das Einsprühen von Pflanzen mit Farbe, ist sehr oft auch bei Tillandsien zu sehen.
Besonders die auf Ausstellungen verkauft werden sind darüber hinaus auch noch mit einer Klebepistole auf irgendwelchen Unterlagen festgeklebt worden. Hier möchte ich auch die Kakteen mit aufgeklebten Strohblüten nennen.


Bei Schnittblumen gilt das Einfärben der Blüten schon lange als besonders attraktiv.
Zu finden bei Rosen, Chrysanthemen und Nelken, meist in blau. Dazu werden die Blüten einfach in Farbe getaucht. Bei Zwiebelgewächsen erreicht man die Blaufärbung durch Einstellen in entsprechende Flüssigkeiten. Bei den Schnittblumen halte ich es für nicht so schlimm, weil diese ja über kurz oder lang sowieso in der Tonne landen.

Die Blaufärbung der Hortensie wird durch gießen mit Alaun erreicht, also auch künstlich, für die Pflanze aber nicht schädlich. Die Blaufärbung verliert sich mit der Zeit, wenn nicht mehr mit Alaun gegossen wird.

Sie als Kunde stimmen mit Ihrer Kaufentscheidung über die Weiterentwicklung solcher Farbaktionen und Unsitten ab.
Was die Natur, oder die Fähigkeiten der Züchter nicht schaffen kann, sollten sie als Kunde nicht verlangen. Es gibt genug blau blühende Blumen. Warum muß es aber gerade immer "blau" sein? Dies ist manchmal keine Farbe, sondern ein Zustand.

Berlin, den 25. November 2001


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