Nachgehakt

Was ist aus unserem Hydrokulturtopf geworden?

© Udo Stock


Am 07. September 2007 berichteten wir bereits schon einmal über diesen "neuen Hydrokulturtopf". Heute nun die Geschichte wie es zu dieser Idee kam. Herr Udo Stock schreibt dazu:


Teil 1: Von der Idee bis zur Vermarktung:
Der neue Hydrokulturtopf

Es begann mit einer guten Idee.
Mitte Oktober des Jahres 1999 besuchte ich ein Referat zur Weiterbildung in der Hydrokultur in Nürnberg, in einer Niederlassung von Hygreno-Nordkirchen. Hier stand für mich im Vordergrund mein bis dahin anerlerntes Wissen zu erweitern, um in Zukunft noch erfolgreicher in der Objekt- und Raumbegrünung mit Hydrokulturen vorgehen zu können.

Begrüßt wurden wir vom Inhaber dieses Unternehmens, Herrn Günter Gregg, den ich zu diesem Zeitpunkt nur vom Hörensagen kannte, mir aber damals schon ein Vorbild war. Er stellte als Referenten Dr. Harald Strauch vor, der uns in den nachfolgenden Stunden einiges über die Hydrokultur vermitteln konnte.
Irgendwie hatte ich schon im Vorfeld das Gefühl, daß dieser Tag mir noch so manches Interessante bescheren würde. Gegen Ende des Referates wurde auch über das Thema Hydrokulturtopf gesprochen - über seine Vorteile, aber auch über seine Nachteile.

Mit der Frage von Herrn Dr. Strauch: "Wer sieht eine Möglichkeit, diesen Topf so zu verändern, daß alle Vorteile bleiben, aber auch die Wurzeln der Pflanzen den Topf in der Feuchtzone zum gegebenen Zeitpunkt verlassen können?", wurde der Nachmittag beendet. Wie oft schon hat man mir im Leben derartige Fragen gestellt. So war es nicht verwunderlich, daß ich schon auf meinem Heimweg von Nürnberg nach München wusste, wie der neue Topf aussehen sollte. Zur Anzucht der Pflanze im Bereich der Feuchtzone geschlossen, bei weiterer Platzierung in größere Gefäße, durch Öffnen von eingebrachten Fenstern in der Feuchtzone, der Wurzel die Möglichkeit zu bieten, ihren Topf zu verlassen.


Hierfür brauchte ich kein Gärtner zu sein, um mir vorstellen zu können, daß unsere Pflanzen sich wesentlich wohler fühlen würden, wenn sie ihren zu klein gewordenen "Schuh" verlassen könnten. Es dauerte nur einige Tage, bis ich beim Deutschen Patentamt in München, eine Urkunde für Deutschland, in der Hand hielt, über ein Gebrauchsmuster mit der Nr. 299 18 349.1 und dem Datum 18.10.1999, auf welches ich sehr stolz war.

Ich war der festen Überzeugung, eine Möglichkeit gefunden zu haben, die dem Topf- und Pflanzenproduzenten, sowie dem Raumbegrüner, dem Endverbraucher und nicht zuletzt der Pflanze als Lebewesen von Nutzen ist. Ich sollte in den nächsten Jahren lernen, mich erheblich getäuscht zu haben.

Was ist passiert?

In der darauf folgenden Zeit besuchte ich Herrn Dr. Strauch in Nordkirchen und stellte ihm mein Idee - eingebaute Fenster in der Feuchtzone des Hydrokulturtopfes - vor. Auch er war der Meinung, daß ich mit dieser Möglichkeit Erfolg haben müsste. Doch sollte ich, so sagte er, noch einen wichtigen Punkt in dieser Angelegenheit beachten.
Jede Idee braucht einen erfolgversprechenden Nachweis - eine Forschungsarbeit - die meine Behauptung darstellen und beweisen würde. Um ehrlich zu sein: ich konnte mir nicht vorstellen einen Beweis (Forschungsergebnis) erbringen zu müssen, für eine Sache, die doch eigentlich klar war. Trotz allem - will man Erfolg haben, braucht man einen Nachweis über die Tauglichkeit seiner Idee!

Von Herrn Dr. Strauch erhielt ich den Tipp, mich mit meinem Anliegen doch nach Weihenstephan an Herrn Prof. Röber zu wenden - an eine Forschungsanstalt, die einen bekannten Namen trägt und die mir mit Sicherheit bei meinem Anliegen helfen könnte.
Mir war natürlich klar, eine Forschungsarbeit würde zusätzliches Geld kosten. Für ein kleines Unternehmen, das erst 7 Jahre vorher gegründet wurde und sich auch noch mitten in einer Wirtschaftskrise befand, eine besondere Herausforderung. Doch die Sache war es mir wert. Allerdings fragte ich mich jetzt, ob mein angemeldetes Gebrauchsmuster auch richtig abgesichert war; gegen eventuell auftretende Ansprüche von Topfproduzenten im In- und Ausland.
Bei einem Besuch eines Patentanwaltes in München wurde mir schnell klar, daß weitere und nicht unerhebliche Kosten auf mich zu kommen würden.
Ein Patent nur für Deutschland war eindeutig zu wenig. Es sollten alle Länder sein, in denen auch Hydrokulturtopf-Produzenten und Raum- und Objektbegrüner vorhanden sind.
Wir entschieden uns für Österreich, Schweiz (inklusive Lichtenstein), Niederlande, Belgien, Luxemburg und Deutschland.
Jetzt handelte es sich um ein europäisches Patent, welches wir als solches in den einzelnen angegebenen Ländern über unseren Anwalt am 9. August 2000 anmelden ließen. Bis zum Erhalt des angemeldeten Patentes mussten zusätzlich in allen angegebenen Ländern Recherchen geführt werden, die uns mitteilten, ob vielleicht ein derartiges Produkt schon als Gebrauchsmuster oder Patent angemeldet war.
In der Zwischenzeit bekam ich bei Herrn Prof. Röber einen Termin.
Die Unterlagen über den veränderten Topf hatte er schon Tage vorher von mir erhalten, somit bekam ich auch gleich eine Antwort auf meine Frage, ob er die anstehende Forschungsarbeit übernehmen möchte, und mir hierüber ein Angebot machen könnte. Seine Antwort kam direkt und ohne lange Umschweife. Laut Aussage von Herrn Opitz (Firma Lenz) ist ein Wurzelwachstum nur in Richtung des Gefäßbodens zu erwarten. Hier hätten unsere Wurzeln die Möglichkeit, durch die vorhandenen Nährlösungsöffnungen den Topf zu verlassen.

Somit könne er mir eine Forschungsarbeit, die ja auch sehr teuer sei, nicht empfehlen. Ich solle es mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Um ein weiteres Gespräch zu führen fehlten mir die Worte. Von einem Menschen, vor dem ich Respekt und Hochachtung hatte, kam diese Antwort! War hier vielleicht eine Absprache erfolgt? Sollte ich hier - wo schon im Vorfeld kein Erfolg gesehen wurde - überhaupt eine Forschungsarbeit durchführen lassen? Nach dieser Aussage stellte sich mir die Frage: War alles bis jetzt wirklich umsonst?

Tage später berichtete ich Herrn Dr. Strauch über dieses Gespräch und fragte ihn, wie ich weiter vorgehen solle. Er empfahl mir (wofür ich ihm heute noch sehr dankbar bin) Herrn Dr. Molitor aus der Forschungsanstalt Geisenheim, mit dem ich schon wenige Tage später gemeinsam über die von mir gewünschten Forschungsarbeiten sprach. Er hatte ganz im Gegenteil von Herrn Prof. Röber die Ansicht, daß meine Idee erfolgreich sein wird. Die Kosten hierfür konnte ich zu diesem Zeitpunkt nur in drei Raten bezahlen. Nachdem ein genaues Vorgehen und eine Zeitplanung festgelegt war, empfahl er mir Herrn Teufel, bei dem ich die benötigten Pflanzen für die anstehende Forschungsarbeit produzieren lassen sollte. Herr Teufel, der dem Fachverband Deutscher Hydrokulturen (Vorstand) angehörte, war sofort für mein Anliegen offen und erfüllte mir den Wunsch. Auch bei ihm möchte ich mich recht herzlich für seine Bemühungen bedanken.

Nach Beendigung der Pflanzenanzucht konnten die eigentlichen Forschungsarbeiten in Geisenheim unter der Leitung von Herrn Dr. Molitor beginnen. Unsere ausgewählten Pflanzen hatten in Geisenheim eine Standzeit von 45 Wochen. Eine Auswertung dieser Arbeit zeigte eindeutig den gewünschten Erfolg. Auch an dieser Stelle recht herzlichen Dank an Sie, Herr Dr. Molitor. Die Auswertungen wurden auch im "Deutschen Gartenbau" von ihm veröffentlicht.
Erst am 17. Juli 2002 bekamen wir die Urkunde unseres Europäischen Patentes. Nun konnte mit der Vermarktung begonnen werden.


Demnächst berichten wir vom Forschungsergebnis der Forschungsanstalt Geisenheim über diesen innovativen Hydrokulturtopf.

Berlin, den 26. Januar 2008

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