© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg
Einleitend haben wir uns mit dem Sinn der Gliederung des Pflanzenreiches und mit der Geschichte der Pflanzensysteme beschäftigt. Hier sollen nun die Grundlagen für die Gliederung der Systeme genannt werden.
Die äußere Form
Was kann man, ohne die Pflanze zu zerlegen, von außen betrachten, mit Hilfe einer Lupe oder eines Mikroskops? Im Ganzen gesehen gibt es bestimmte Baupläne, aber auch die einzelnen Pflanzenteile lassen sich klassifizieren. Schon hier gibt es eine faszinierende Vielfalt. Als Beispiel soll hier die unterschiedliche Form der Blütenstände gezeigt werden.
| Traube |
Dolde |
Körbchen |
Die innere Struktur
Der Techniker zerlegt eine Maschine, um ihre Bauteile in ihrer Funktion verstehen zu können. Nicht anders machen es die Biologen. Sie zerschneiden die Pflanzen und mikroskopieren die Teile, um ihre Anatomie kennen zu lernen. Man erkennt, dass die einzelnen Organe aus Zellen aufgebaut sind, die bestimmte Verbände, die Gewebe, bilden. Auch hier gibt es viele Vergleichsmöglichkeiten. Besondere Strukturen, die man vergleichen kann, finden wir auch innerhalb der Zellen, so zum Beispiel die Versteifungselemente, die die Zellen des Holzes haben, damit es genügend fest ist. Auch die Erbsubstanz, auf die wir noch weiter unten eingehen, ist strukturiert. Ihre Hauptstrukturen, die Chromosomen, kann man besonders gut sehen, wenn sie zum Transport verpackt sind. Das passiert während der Zellteilung, also beim "Umzug" von einer alten in die neuen Zellen. Die Chromosomen sind bei den verschiedenen Pflanzenarten ganz unterschiedlich geformt und auch unterschiedlich groß. Geht man weiter herunter, so kommt man zu den Molekülen, die man auch vergleichen kann. Schon ist man im Bereich der Chemie.
Die Chemie macht sich aber auch indirekt bemerkbar, was man zum Beispiel an unterschiedlichen Farben sehen kann, oder an Gerüchen, die die Pflanzen ausscheiden. Letzten Endes ist auch der Geschmack eine Wahrnehmung, die wir aufgrund der unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung haben. So fällt es uns zum Beispiel ganz leicht, eine sauer schmeckende Zitrone von einer süßen Orange zu unterscheiden. Das ist nichts Anderes als die Einteilung nach unterschiedlichen Merkmalen, die wir bei ganz verwandten Arten getroffen haben. Hier drei Beispiele für eine Gruppe von Pflanzenfamilien, die besondere rote Farbstoffe, die Betacyane, haben, die den anderen Pflanzen fehlen:
Besonders interessant und vielfältig sind die vielen verschiedenen Formen der Fortpflanzung, sowohl hinsichtlich der Art der Wechselwirkung mit den Partnerpflanzen (Selbst- oder Fremdbefruchtung) als auch bezüglich der Mittel, deren sich die Pflanzen bedienen, um ihre Geschlechtszellen zueinander zu bringen. Das können unbelebte Faktoren wie Wind und Wasser sein oder aber Transporthelfer, wie Tiere oder der Mensch. Ähnlich ist es mit der Verbreitung der nach der Befruchtung entstandenen oder ohne diese gebildeten Fortpflanzungseinheiten, wie Früchte, Samen oder Kindel. Besonders schön wird das im unterschiedlichen Bau der Blüte deutlich:
| Insektenblüte |
Windblütenstände |
Vogelblüten |
Verwirrung durch scheinbare Verwandtschaften
All das liefert ein unerschöpfliches Reservoir von Merkmalen, die man vergleichen und systematisieren kann, und die bereits zu immer besser werdenden Systemen beigetragen haben. Wir erkennen sie in einem gegebenen Moment als Produkt der Entwicklung einer einzelnen Pflanze und als Produkt ihrer Stammesentwicklung. Es kann aber schon einmal passieren, dass wir etwas zusammen ordnen, was eigentlich gar nicht verwandt ist. Im Tierreich wird das immer am besonders augenfälligen Beispiel der verschiedenen Wassertiere demonstriert: Wenn Sie einen Fisch, einen Fischsaurier und einen Wal vergleichen, so würden Sie die vielleicht alle in eine Gruppe klassifizieren, wenn Sie es nicht besser wüssten. Der Fischsaurier war ein Reptil, und der Wal ist ein Säugetier. Solche Fälle gibt es in riesiger Vielzahl auch im Pflanzenreich. Nicht immer ist es so einfach wie bei der Euphorbie und dem Kaktus. Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Heilpflanze ganz modern, die zur Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) gehört, die Hoodia. Sogar auf medizinischen Beipackzetteln steht oft falsch "Hoodia Cactus". Auch Euphorbien werden schon mal ganz gerne mit Kakteen verwechselt. Schwierig, schwierig. Solche Fälle haben das System bisher immer wieder in Verwirrung gebracht.
Hier Beispiele für "kakteenförmige" Sukkulenten: