Ordnung und Übersicht im Pflanzenreich
8. Teil
Übersicht über die hauptsächlichen Veränderungen in den Familien:
Die 36 wichtigsten Fälle
© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg
In den beiden vorhergehenden Beiträgen sind die Fälle 1 bis 9 im Beitrag 6 und die Fälle 10 bis 23 im Beitrag 7 aufgelistet worden. Es folgt nun das Ende der Liste.
24. Primulaceae (Primelgewächse).
Viele bekannte Gattungen, z. B. Cyclamen (Alpenveilchen) und Lysimachia (Gilbweiderich), sind in die Familie Myrsinaceae (Myrsinengewächse) verschoben worden. Eine aquaristisch genutzte Gattung, Samolus (Bunge), kam zu den Theophrastaceae (Schneckensamengewächse).
Anmerkung am 06. August 2011: Diese Feststellung ist überholt, denn mittlerweile sind diese beiden anderen ehemaligen Familien als Unterfamilien in die Primulaceae einbezogen worden.
Siehe dazu den Beitrag Familienumschreibung der Primulaceae - Primelgewächse (JK).
25. Ericaceae (Heidekrautgewächse). In diese Familie sind drei kleine, früher abgetrennte Familien einbezogen worden:
Empetraceae (Krähenbeerengewächse),
Monotropaceae (Fichtenspargelgewächse) und
Pyrolaceae (Wintergrüngewächse)26. Solanaceae (Nachtschattengewächse). Sie haben die frühere Familie
Nolanaceae (Chilenische Glockenblumen) aufgenommen.
27. Convolvulaceae (Windengewächse) und
Cuscutaceae (Seidengewächse).Diese früher getrennt aufgefassten Familien werden heute überwiegend, und von allen unseren Referenzsystemen insbesondere, zur Familie
Convolvulaceae zusammengefasst.
28. Boraginaceae (Raublattgewächse). Sie haben die frühere Familie
Hydrophyllaceae (Wasserblattgewächse), bekannt durch
Phacelia, das beliebte Büschelschön, auch Bienenweide genannt, aufgenommen.
29. Gentianaceae (Enziangewächse).
Aus dieser Familie sind
Menyanthes (Fieberklee),
Nymphoides (Seekanne) und einige andere Gattungen ausgegliedert und als Familie
Menyanthaceae (Fieberkleegewächse) an einen ganz anderen Platz im System, in die Ordnung Asterales, verschoben worden.
30. Apocynaceae (Hundsgiftgewächse).
Hier sind die früheren
Asclepiadaceae (Seidenpflanzengewächse) einbezogen worden. Der Blütenbau ist unterschiedlich. Die Seidenpflanzengewächse haben sich auf sogenannte "Klemmfallenblumen" spezialisiert. Die Früchte sind jedoch sehr gleichförmig: zweiklappige Kapseln, die Samen haben Flughaare. Jeder kennt den blühenden Oleander. Haben Sie schon einmal eine Oleanderfrucht gesehen?
31. Die "alten" Scrophulariaceae werden ausführlich im Beitrag 11 dargestellt.
32. Lamiaceae (Lippenblütler) und Verbenacae (Eisenkrautgewächse).
Die "Trennlinie" zwischen den Familien hat sich verschoben. Allerdings sind die Mangroven der Gattung
Avicennia aus den Verbenaceae über einen Umweg einer selbständigen Familie nun in die Familie
Acanthaceae (Akanthusgewächse) eingeordnet worden.
33. Apiaceae, auch
Umbelliferae genannt
(Doldengewächse) und
Araliaceae (Araliengewächse).
Im Allgemeinen werden die beiden nahe verwandten Familien getrennt. Es gibt aber auch moderne Bücher, die sie unter
Apiaceae zusammenfassen. Zumindest ist zu sagen, dass eine bei Wasserpflanzengärtnern gut bekannte Gattung, die
Hydrocotyle (Wassernabel) und die Heilpflanze Gotu Kola,
Centella asiatica (L.) Urb., von den Apiaceae zu den
Araliaceae (Araliengewächse) "gewandert" sind.
34. Adoxaceae (Moschuskrautgewächse),
Caprifoliaceae (Geißblattgewächse) und
Diervillaceae (Weigeliengewächse).
Auch hier hat es eine beträchtliche Umordnung der Arten gegeben. Viele ehemalige Geißblattgewächse sind jetzt Moschuskrautgewächse. Die bekannte
Weigela (Weigelie) kam in die winzige Familie Diervillaceae. Es wurde auch zeitweilig erwogen die
Valerianaceae (Baldriangewächse) und
Dipsacaceae (Kardengewächse) in die Caprifoliaceae einzubeziehen, was aber wieder fallen gelassen wurde.
Nachtrag am 24. Juni 2012: Dieses ist nun zwischenzeitlich doch erfolgt, so dass sie die Vertreter der ehemaligen Valerianaceae und Dipsacaceae jetzt unter Caprifoliaceae finden werden.
35. Campanulaceae (Glockenblumengewächse) und Lobeliaceae (Lobeliengewächse).
Diese beiden früher oft getrennt aufgefassten Familien werden jetzt allgemein unter
Campanulaceae vereinigt.
36. Asteraceae, auch
Compositae genannt
(Korbblütler). Es hat oft Tendenzen gegeben, die Korbblüter mit reinen Zungenblütenständen als
Cichoriaceae (Zichoriengewächse) den Arten mit Röhren- und Zungenblüten oder nur mit Röhrenblüten unter
Asteraceae (Asterngewächse) gegenüber zu stellen. Deshalb finden Sie die Bezeichnung Cichoriaceae auch öfter in der Literatur. Ein Blick auf den Stammbaum auf der Webseite der
APG zeigt aber, dass die Korbblütler bedeutend vielfältiger strukturiert sind und die Zichoriengewächse als Unterfamilie Cichorioideae nur einen Platz neben einigen anderen Unterfamilien haben.
Hier endet die Listen-Übersicht. Sicher wirkt die Summe der vielen genannten und hier nicht erwähnten Veränderungen auf den ersten Blick verwirrend. Denken Sie aber daran, dass nichts auf der Welt auf Dauer Bestand hat:
"Panta rhei" - alles fließt. Warum soll das nicht auch für das Pflanzensystem gelten? Sich mit diesen Veränderungen zu beschäftigen ist eine spannende Sache, die zum tieferen Nachdenken über die Vielfalt in der Pflanzenwelt herausfordert.
Sehen Sie nun im nächsten Beitrag den besonders interessanten Fall 4, den der "alten" Liliaceae (Liliengewächse) und ihrer Verwandtschaft.
Berlin, den 08. August 2009
Ergänzende Änderungen am 06. August 2011 und am 24. Juni 2012