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Von Januar bis Dezember - Kakteenpflege im Jahreslauf

Leitfaden für die Kakteenpflege über das gesamte Jahr

© M. Pauwels

Vor allem für den Anfänger sollen hier die wesentlichen Phasen der Kakteenpflege im Jahreslauf dargestellt werden. Dabei werden die Pflegeerfordernisse der üblichen Kakteen zugrundegelegt. Die angegebenen Jahreszeiten können sich selbstverständlich, je nachdem, ob der Kakteenpfleger in einer Gegend mit mildem oder mit rauhem Klima beheimatet ist, etwas verschieben.


Januar
Die Pflanzen befinden sich bei kahlem, trockenem Stand in Winterruhe. Das Gießen ist gänzlich zu unterlassen. Ausnahmen: Epiphyten.
Auf Krankheiten und Schädlinge achten. Kartei führen, Etikettierung ergänzen. Saatgut und Bedarfsartikel bestellen.






Februar
Weiterhin äußerst sparsam mit dem Gießwasser umgehen. Der Februar gilt als der ,Sterbemonat‘ für die sukkulenten Gewächse. Die Pflanzen sind durch den ungünstigen Winterstand (Lichtmangel Verlust der feinen Saugwurzeln) stark geschwächt, so daß voreilige Wassergaben mehr schaden als nützen. Einigen sonnigen Tagen folgen stets trübe, naßkalte Phasen. Kakteen können jetzt umgetopft werden. Dabei auf Wurzelschädlinge und kranke Wurzeln achten. Pflanzen nach dem Umsetzen nicht angießen! (Im Gewächshaus können Kakteen fast ganzjährig umgetopft werden.)




März
Mit zunehmender Tageslänge und Lichtintensität beginnt die neue Vegetationsperiode. Höhere Temperaturen und nebelartiges Besprühen der Kakteen mit warmem Wasser (an sonnigen Tagen) begünstigt diesen Vorgang. Die Bodenfeuchtigkeit nach Bedarf sehr vorsichtig steigern.

Lobivien und Echinopsen sind weiterhin vollkommen trocken zu halten. Pflanzen, die die langen Wintermonate unter mangelhaften Lichtbedingungen überdauert haben, sind gegen die grellen Frühjahrssonnenstrahlen empfindlich. Zur Umgewöhnung ist leichtes Schattieren während der Mittagszeit der ersten Tage anzuraten.

Aussäen und Umpflanzen sind wichtige Arbeiten in diesem Monat. Wintertriebe an Cereen, Opuntien und Epiphyten werden weggeschnitten. Zur Erhaltung oder Wiedergewinnung einer kompakten Pflanzengestalt ist nicht selten ein strenger Rückschnitt notwendig.




April
Die im März eingeleiteten wachstumsfördernden Maßnahmen werden fortgeführt. Zahlreiche Arten, vor allem der Gattungen Rebutia und Mammillaria, gelangen zur Blüte.

Lobivien und Echinopsen erhalten erst bei deutlichem Knospenansatz die ersten Wassergaben. Pflanzen, die jetzt ins Frühbeet kommen, müssen in den ersten 1-2 Wochen während sonniger Mittagsstunden leicht schattiert werden.

Aussäen, Umpflanzen und Stecklinge schneiden sind wichtige Arbeiten.

Im Wachstum befindliche Pflanzen, die nicht in frisches Substrat umgesetzt wurden, erhalten schwach konzentrierte Nährstoffgaben .




Mai
Die Pflanzen befinden sich in vollem Wachstum. Sie erhalten reichlich Wärme, Licht, Wasser und Nährstoffe. Auf Schattierung kann - sofern die Pflanzen allmählich an die Frühjahrssonne gewöhnt wurden - weitgehend verzichtet werden.

Ausnahmen: epiphytische Kakteen. In Gewächshäusern und Frühbeeten ist zwecks Vermeidung schädlicher Stauhitze für ausreichende Durchlüftung zu sorgen.

Günstige Jahreszeit zum Aussäen, Stecklinge schneiden, Pfropfen, Umpflanzen und Umtopfen. Exemplare, die Knospenansatz zeigen oder blühen, sollte man erst nach dem Abblühen umpflanzen.

Ab Mitte Mai (nach den Eisheiligen) können zahlreiche Kakteen und andere Sukkulenten bedenkenlos in die Sommerfrische, d. h. ins Freie gebracht werden. Für diese Arbeit wählt man möglichst einen trüben Tag.

Schädlingsbekämpfung kann nunmehr bis zum Ende der Vegetationsperiode auf zuverlässige Weise mit systemisch wirkenden Präparaten im Gießverfahren vorgenommen werden.




Juni
Die meisten Arten befinden sich in der Hauptwachstumsperiode und sind entsprechend mit allen notwendigen Wachstumsfaktoren zu versorgen.

Haupblütezeit der Kakteen. Neben den üblichen Kulturarbeiten ist jetzt die gängigste Zeit zum Pfropfen.






Juli
Verschiedene südamerikanische Arten der Gattungen Lobivia und Parodia legen eine etwa 4wöchige Wachstumsruhe ein, so daß die Wassergaben verringert werden.

Andere, vor allem die Hylocereen und Selenicereen, befinden sich in voller Vegetation und entwickeln von Juni bis August ihre prachtvollen Blüten. Es sind besonders starkzehrende Gewächse mit hohem Wasser- und Nährstoffbedarf.

Aussaaten und Pfropfungen können auch noch in diesem Monat vorgenommen werden.




August
Maßnahmen zur Beendigung der vegetativen Wachstumsperiode einleiten. Pflanzen erhalten daher nur noch phosphor - und kalibetonte Nährsalzgaben.

Gewächshäuser und Frühbeetkästen sind reichlich zu belüften. Wenn möglich, sollen die Frühbeetfenster bei trockener Witterung gänzlich entfernt werden, damit die Nachtkälte und der Tau direkt auf die Pflanzen einwirken können. Alle Maßnahmen fördern die Festigkeit und Widerstandskraft der Pflanzen.

Gegen Monatsende leiten viele südamerikanische Arten eine zweite Vegetationsperiode ein.




September
Wassergaben einschränken, Düngungen einstellen. Pflanzen durch reichliche Frischluftzufuhr und nächtliche Temperaturabsenkung abhärten.

Das Pikieren und Umtopfen kann weiterhin ausgeführt werden.

Kakteen in der Sommerfrische: Für viele dieser Pflanzen ist nun der Zeitpunkt des Einräumens ins Winterquartier gekommen. Sie haben sich allgemein gut entwickelt (in sonnenscheinreichen Sommern besser als in verregneten).




Oktober
Die meisten Arten erhalten ab Monatsende kaum noch Wasser. Ausnahmen: einige "Südamerikaner" und viele Epiphyten. Weihnachtskakteen werden von Mitte September bis Knospenansatz nur wenig gegossen.

Bis etwa Monatsmitte empfiehlt sich eine abschließende Schädlinsbekämpfung im durchdringenden Gießverfahren.




November
Bis auf wenige Ausnahmen stellen die Kakteen ihr Wachstum ein. Man hält sie daher trocken und kühl. Sofern die Witterung es erlaubt, sollte reichlich gelüftet werden.

Viele Säulenkakteen, auch gepfropfte Pflanzen, einige südamerikanische Arten sowie die Epiphyten erhalten weiterhin mäßige Wassergaben.

Pflanzen, die in warmen Räumen überwintern müssen, beanspruchen unbedingt einen hellen Fensterplatz und sollten etwa alle zehn Tage etwas Wasser bekommen. Leider werden solche Kakteen kaum zur Blüte gelangen.

Die Weihnachtskakteen sind ab Knospenansatz gleichmäßig feucht zu halten.




Dezember
Fast alle Arten befinden sich in der notwendigen Trockenruheperiode. Behandlung siehe November.

Melocactus, Discocactus und Uebelmannia sollten bei etwa 15 °C Mindesttemperatur nicht völlig trocken gehalten werden.

Alle Pflanzen müssen regelmäßig auf Krankheits- und Schädlingsbefall hin untersucht werden. Etwaige Schmierlausnester sind mit Hilfe eines kleinen Pinsels mit einem wirksamen Insektizid oder verdünntem Spiritus zu betupfen. Jetzt ist die günstigste Zeit, um die Pflanzenkartei zu vervollständigen und die Etikettierung zu überarbeiten.




Vorfrühling (Mitte Februar bis Ende März)
Bei den im zeitigen Frühjahr blühenden Kakteen kündigt sich das Ende der Winterruhe durch die hervorbrechenden Knospen und den beginnenden Neutrieb im Scheitel an. Mit zu den ersten Blühern im Jahr gehören Notocactus (BrasiIicactus) haselbergii, Turbinicarpus valdezianus, Mammillaria pennispinosa, Mammillaria magallanii und Mammillaria moelleriana. Kakteen, die nicht zu den zeitigen Frühjahrsblühern gehören, können noch umgesetzt werden.

Man pflanzt jene Kakteen um, die in zu klein gewordenen Töpfen stehen oder in ausgelaugter Erde. Beim Umpflanzen im Vorfrühling wird aus trockener Erde in trockene Erde umgesetzt. Kakteenfreunde, die über eine beheizbare Aussaatschale verfügen, können im März aussäen. Je nach örtlichem Kleinklima werden die Kakteenfreunde, die ihre Kakteen auf dem Fensterbrett vor dem Fenster, im ungeheizten Gewächshaus oder im Frühbeetkasten kultivieren, die Pflanzen im März - April aus dem Winterquartier in den Sommerstandort umräumen.
Gegen vereinzelte Frostnächte sollten Vorkehrungen getroffen werden durch Übergangsheizungen oder durch bereitgelegte alte Wolldecken zum Abdecken des Frühbeetkastens.

Große Vorsicht ist in dieser Jahreszeit - auch bei Pflanzen am Zimmerfenster - vor Verbrennungen geboten. Die in der Ruhezeit der Sonne entwöhnten Kakteen können durch die im März und April rasch an Dauer und Stärke zunehmende Sonneneinstrahlung geschädigt werden.
Für ungewöhnlich sonnige Tage im Vorfrühling und Frühling sollten daher Möglichkeiten für eine Schattierung vorbereitet werden. Ma kann hierzu die Glasscheiben mit Schattierfarbe streichen, man kann Schattiergewebe auf die Glasscheiben auflegen oder notfalls auch auf die Kakteen einige Bogen Seidenpapier ausbreiten.

Im Frühjahr müssen die Kakteen auch vorsichtig wieder an Feuchtigkeit gewöhnt werden. Dies gilt besonders, wenn sie im Winter völlig trocken standen. Man sollte sie daher an warmen Tagen im Vorfrühling mit warmem Wasser einnebeln und später absprühen. Hierdurch werden der Staub und Schmutz des Winters abgewaschen und die Pflanzen zur Neubildung von Saugwurzeln angeregt. Erst dann können die Kakteen das nun folgende Gießwasser auch aufnehmen.

Grundsätzlich sollten jedoch die Wassergaben im Frühjahr langsam und zögernd einsetzen. Bei vielen Kakteen besteht die Gefahr, daß sich bereits gebildete Knospen nicht zur Blüte weiterentwickeln, wenn sie durch zu frühe und zu reichliche Wassergaben vorzeitig zu vegetativem Wachstum angeregt werden. Dies ist zum Beispiel sehr deutlich bei den Echinocereen zu beobachten. Der Kakteenpfleger sollt sich daher im Vorfrühling nicht durch den einen oder anderen besonders schönen Tag zu voreiligen und großzügigen Wassergaben verleiten lassen.




Frühling (April bis Mitte Juni)
Die Sammlungen bieten nun ein prächtiges Bild. Viele Kakteen stehen jetzt in voller Blüte, so etwa die Mehrzahl der Mammillarien, Lobivien und Rebutien, etwas später auch der Notocacteen und der Echinopsis-Arten.
Die nicht blühenden Kakteen sollten etwa ab Mai, die blühenden Pflanzen schon früher, ausreichend Feuchtigkeit erhalten.

Ab Mitte Mai kann dem Gießwasser stickstoffarmer Kakteendünger zugesetzt werden, doch sollte nicht mit Düngerlösung auf völlig trockenen Ballen gegossen werden.

Im Mai und Juni sind die Kakteen voll im Trieb. Jetzt kann gepfropft werden, und es können Stecklinge geschnitten und nach hinreichender Abtrocknung bewurzelt werden. Pflanzen, die im Juni noch keinen Austrieb zeigen, sind vermutlich krank. Sie werden vorsichtig ausgetopft; kranke oder stark durch Schädlinge befallene Wurzeln werden radikal zurückgeschnitten. Nach Abtrocknung der Schnittstellen wird die Pflanze wie ein Steckling neu bewurzelt.

Ab April - Mai können Aussaaten auch ohne künstliche Unterwärme vorgenommen werden. Die Aussaaten sollten eher im gedämpften Licht stehen und dürfen in der Zeit der Keimung nie völlig austrocknen.




Sommer (Mitte Juni bis Mitte August)
Die Sommerblüher bringen mit ihren Blüten Farbe in die Sammlungen. So blühen jetzt viele Gymnocalycien, Parodien, Coryphanthen und Astrophyten.

Die meisten Kakteen stehen voll im Wachstum. Viel Licht und Luft sind erforderlich, eventuelle Schattierungen aus der Zeit des Frühjahrs sind zu beseitigen. Die Pflanzen werden reichlich bewässert und gedüngt. Die Bewässerung sollte möglichst von unten erfolgen. Zu häufiges Übergießen oder Überbrausen der Kakteen kann zu Salzablagerungen auf den Dornen und Pflanzenkörper führen und dabei die Gefahr von Pilzinfektionen verstärken.

Manche Frühjahrsblüher - so viele Mammillarien, Echinocereen und Rebutien - legen im Juli bis Mitte August eine leichte Sommerruhe ein. Sie werden in dieser Zeit weniger gegossen. In der Sommerruhepause können diese Frühjahrsblüher verpflanzt werden, doch dürfen sie erst einige Tage nach dem Umpflanzen wieder gegossen werden.




Herbst (Mitte August bis Mitte November)
Es blühen noch einige Mammillarien, wie etwa Mammillaria rhodantha und Mammillaria hidalgensis, ferner blühen Ariocarpen oder Pflanzen aus der Gattung Neoporteria im engeren Sinne. Bei den meisten Kakteen kündigt sich das Ende der Wachstumsperiode an. Die Pflanzen sollen nun ihren Jahrestrieb ausreifen, damit sie die Ruhezeit im Winter gut überstehen.

Der Herbst ist auch für die Ausbildung einer guten Bedornung sowie für den Blütenansatz im kommenden Frühjahr von großer Bedeutung.

Ab Ende August wird nicht mehr gedüngt, ab Mitte September wird die Bewässerung eingeschränkt, ab Mitte Oktober wird nur noch ganz wenig oder überhaupt nicht mehr gegossen. Sehr wesentlich zur Abhärtung sind frische Luft und viel Licht, möglichst auch ungefiltertes Sonnenlicht. Die Fenster des Gewächshauses und des Frühbeetkastens sollten weit geöffnet werden, die Scheiben werden gereinigt und keine Schattierung darf das den Pflanzen zufließende Licht mindern.

Pflanzen im Freien sollten zur Abhärtung möglichst lange draußen bleiben, doch müssen sie vor Regengüssen geschützt werden. Pflanzen, die erst im Herbst ihre Blüten bringen, und die Kakteen, die im Herbst nochmals einen Wachstumsschub zeigen, erhalten einen besonders warmen und sonnigen Platz und etwas mehr Feuchtigkeit.




Winter (Mitte November bis Mitte Februar)
Es blühen nur noch wenige Kakteen, wie etwa Mammillaria schiedeana und Mammillaria plumosa sowie die zu den Epiphyten zählenden Weihnachtskakteen und viele Rhipsalis-Arten. Diese blühenden Pflanzen werden in dieser Zeit wärmer und feuchter als die übrigen Kakteen gehalten.

Je nach örtlichem Kleinklima und Wetterlage werden die Kakteen Ende Oktober bis Mitte November in die Winterquartiere umgeräumt. Da die Pflanzen seit Mitte Oktober trocken stehen und etwas geschrumpft sind, muß der Pfleger mit dem Einräumen nicht überängstlich sein; ein kurzer, leichter Nachtfrost wird in dieser Phase von robusten Arten gut überstanden. Die Pfleger mit heizbaren Gewächshäusern stellen die Heizungsthermostate auf Wintertemperatur und verbessern durch Dichte aller Fugen, Unterziehen von Folie und ähnliche Maßnahmen die Winterfestigkeit ihres Gewächshauses.

Auch im Winterquartier sind die Pflanzen sorgfältig auf Krankheiten und Schädlinge zu kontrollieren. Pflanzen, die beginnende Fäulnis zeigen, werden mit immer wieder neu desinfiziertem Messer bis ins gesunde Fleisch zurückgeschnitten und nach langem Abtrocknen im Frühjahr als Steckling neu bewurzelt.
Durch Pilzinfektionen verfaulte oder eingetrocknete Kakteen werden mit ihrer Erde umgehend entfernt, die Töpfe werden vor Wiederverwendung sorgfältig gereinigt.

Viel frische Luft und ein heller Stand auch im Winterquartier beugen Pilzinfektionen vor.

Die Temperatur sollte im Winterstand um 5 bis 10 °C liegen, und die Pflanzen sollten wenig oder besser überhaupt kein Wasser erhalten. Ab Ende Januar kann man mit dem Umsetzen derjenigen Kakteen beginnen, die nicht zu den zeitigen Frühjahrsblühern gehören.

Im Winter wird der Kakteenfreund auch durch Literaturstudium sein Wissen erweitern und Notizen, Dias und Erfahrungen aus der Vegetationszeit aufarbeiten.

Berlin, die 29. August 2004

ergänzt am 07. April 2010

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