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Geben Sie Ihrer Pflanze das richtige Licht
(1. Teil)

So werden Sie lange Freude haben!

Pflanze und Licht
Das Pflanzenwachstum wird von zahlreichen Faktoren bestimmt, die sich gegenseitig beeinflussen, so z.B. Temperatur und Licht. Bodenzusammensetzung und Nährstoffe, Boden- und Luftfeuchte.

Von Oktober bis März ist jedoch das Licht für die meisten Pflanzen der bestimmende Wachstumsfaktor.
Sind keine hellen, kühlen Standflächen vorhanden, auf denen robuste und weniger wärmebedürftige Pflanzen überwintern können, so kann nur mit Hilfe von künstlichen Lichtquellen der jahreszeitliche Mangel an natürlichem Sonnenlicht ausgeglichen werden.



Wachsen Ihre Pflanzen auch so in die Länge? - Es kann am schwachen Licht liegen!


Was ist Licht?
Licht ist der dem menschlichen Auge sichtbare Teil der elektromagnetischen Strahlung.
Mit Hilfe des Lichtes können die Pflanzen die für sie lebensnotwendige Photosynthese durchführen und aufrechterhalten (Kohlensäureassimilation).
Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Beleuchtungsstärke (Menge Lux je m² Pflanzenoberfläche (!), auch Lichtintensität genannt). Ein wichtiges Produkt aus der Kohlensäureassimilation ist der für uns wichtige Sauerstoff.
Die Photosynthese wird hauptsächlich vom violettblauen und orange-roten Spektrum des Lichtes beeinflusst, worauf bei der Wahl der Lichtquellen (Lampen) zu achten ist, wenn das natürliche Licht nicht ausreichend hell ist.

Weitere Wirkungen des Lichtes sind:
Der formative Lichteinfluss (Erscheinungsbild der Pflanze), wird hauptsächlich durch den Blau- bzw. Rotanteil des Lichtes bewirkt, d.h. mehr Blauanteil = kürzere, gedrungenere Pflanzen, mehr Rotanteil = Längenwachstum, beschleunigt bis zum Vergeilen hin, durch Dunkelrot-Anteil der nahen Infrarot-Strahlung (NIR). Aus diesem Grund muss die richtige Lampenart gewählt werden (siehe Lampenarten), sonst wachsen sie in eine untypische Erscheinungsform.

Der photoperiodische Lichteinfluss (Blühbeeinflussung), wobei darunter die Abhängigkeit des Pflanzenwachstums und der verschiedenen Entwicklungsvorgänge von dem Verhältnis Tag - Nacht bzw. Hell - Dunkel verstanden wird. Wir unterscheiden Kurztagspflanzen, deren Blütenbildung bei Lichtperioden bis zu 12 Stunden je Tag gefördert wird (z.B. der Weihnachtsstern), Langtagspflanzen, deren Blütenbildung bei Lichtperioden von über 12 Stunden je Tag gefördert wird (z.B. Kakteen, Sukkulente), sowie tagneutrale Pflanzen, deren Blütenbildung nicht von der Dauer der Lichtperiode maßgeblich beeinflusst wird, sondern durch klimatische Faktoren (z.B. tropische Pflanzen); Temperatur und Bodenfeuchte.

Um über die Dauer des künstlichen Zusatzlichtes eine Aussage treffen zu können, muss der/die Pflanzenliebhaber/in wissen, zu welcher Gruppe seine Pflanzen gehören, wobei es allerdings auch noch Varianten gibt. So sollte eine starke Zusatzbelichtung (assimilatorisches Licht), die bis zum April dauern kann (jahresabhängig), bei Kurztagspflanzen maximal 12 Stunden pro Tag z.B. Weihnachtsstern und bei Langtagspflanzen 14 bis 16 Stunden betragen, z.B. für Sukkulenten und Kakteen. Bringt das Sonnenlicht selbst die erforderliche Lichtmenge über die vollen 12 bis 16 Stunden, je nach Reaktionstyp, so kann die Zusatzbelichtung ausgeschaltet werden.


Um aber klarzustellen, daß erhebliche Unterschiede der Lichtintensität im Freiland vor dem Fenster und im Inneren bestehen, noch einige Zahlen: Hinter dem Fenster / Glas kommt im Winter noch ca. 50 % Freilandbestrahlung an, 50 cm tief im Raum sind es nur noch 30 %, bei 100 cm 19 % und bei einem Abstand von 200 cm vom Fenster werden nur noch 10 % gemessen. Jeder kann mit Hilfe eines Lichtmessers (Lux-Meter) oder auch durch den Belichtungsmesser einer Kamera messen, wie viel Licht am zukünftigen Pflanzenstandort tatsächlich vorhanden ist. Brauchbare Lux-Meter kosten 90 bis 256 Euro. Um 200 Euro kosten auch spezielle PAR Strahlungsmessgeräte, die ebenfalls zur Ermittlung der Helligkeit verwendet werden können. Natürlicherweise sind die Lichtverhältnisse in Kleingewächshäusern und speziellen Blumenfenstern und Orangerien erheblich besser, aber auch hier ist im Winter das Licht oftmals im Minimum, wenn auch im Außenbereich nur unter 1.000 Lx gemessen werden !

Wann wird nun das zusätzliche Licht gegeben?

1. Entweder während der vollen Stundenzahl (12 bis 16 Stunden, je nach Reaktionstyp, während des Tages oder wo es stört, auch während der Nacht).

2. Oder vor Beginn des für die Assimilation ausreichenden natürlichen Tageslichtes oder im Anschluss daran. Beginn im September mit 1 - 2 Stunden, ansteigend bis Dezember/Januar auf 5 - 6 Stunden und Beendigung mit 1 - 2 Stunden im April.

Ein Einschalten und Ausschalten der Lampen kann einfachheitshalber von einer Schaltuhr übernommen werden, die es schon für unter 10 Euro im Fachhandel gibt, wobei eine halbmonatige Korrektur der Einschaltzeit erfolgen muss. Es gibt aber auch Schaltuhren mit Synchronmotor, welche die Schaltzeiten der Jahreszeit entsprechend verändern. Für wertvolle Kulturen in den Kleingewächshäusern ist unter Umständen der Einsatz eines Dämmerungsschalters interessant, wobei mittels einer Fotozelle automatisch das Licht ein- oder ausgeschaltet wird (bei Unter- oder Überschreiten eines eingestellten Lux-Wertes am Gerät). Dieses System kostet allerdings etwa 400 Euro.


In einer gesonderten Aufstellung sind die bekanntesten Zimmerpflanzen mit dem entsprechenden Lichtbedarf genannt. Wichtig ist vor allem der Hinweis, dass bei Gefäßbepflanzungen auch die Unterbepflanzung eine ihrem Bedarf entsprechende Lichtmenge erhält, was zum Teil erhebliche Probleme aufwirft (Beschattung).

Bei sehr lichtbedürftigen Pflanzen. z.B. Palmen und Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, muss dann evtl. noch seitlich belichtet werden. Wenn möglich sollten Kübelpflanzen 2 bis 3 mal im Jahr zum Licht gedreht werden.

Der Autor dieses Artikels
Herr Dipl. Ing. Dieter Jansen ist Spezialberater Technik im Gartenbau in Kassel. Der Artikel erschien in der Zeitschrift “Hydrokultur intern“ der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur

Die Fortsetzung dieses Beitrages können Sie hier lesen.
"Beurteilungskriterien für Pflanzenwachstumslampen".



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Berlin, den 01. Dezember 2007

©  Dieter Jansen


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