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Ordnung und Übersicht im Pflanzenreich
6. Teil

Übersicht über die hauptsächlichen Veränderungen in den Familien:
Die 36 wichtigsten Fälle – Fälle 1 bis 9

© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg

Nachdem in den voran gegangenen Teilen Einleitung, Geschichte des Pflanzensystems, grundlegende Merkmale für die Gruppierung, Benennung der Pflanzen und Umordnungstendenzen in den übergeordneten Gruppierungen einige Begründungen und Erläuterungen gegeben worden sind, sollen in den nächsten Beiträgen nun die wichtigsten Veränderungen in den Familien aufgelistet werden, ohne dass es möglich ist alle Einzelheiten oder gar in jedem Fall Begründungen darzustellen. Wer sich dafür interessiert, muss sich schon mit der Fachliteratur beschäftigen, denn da stecken meistens ganz umfangreiche Untersuchungen dahinter. Was wir im Rahmen dieser Beiträge nicht tun können, ist das ganze System abzuhandeln. Das ist bestimmt jedem verständlich. Es sollen nur Veränderungen aufgezeigt werden, die sich von früher gebräuchlichen Systemen deutlich abheben. Dabei ist der Zeithorizont sehr weit zu fassen. Einige Veränderungen erfolgten schon sehr früh, im 19. Jahrhundert beispielsweise, andere sind ganz neu. Die Tatsache aber, dass der Autor in einer durchaus ernstzunehmenden Fernsehsendung im Hessischen Rundfunk im Mai 2009 hörte, dass da die Pfingstrosen immer noch zu den Hahnenfußgewächsen gezählt wurden, veranlasste ihn auch solche "uralten" Veränderungen wie das Herauslösen von Paeonia in eine eigene Familie mit aufzunehmen. Denn noch immer hat sich das offenbar nicht allgemein durchgesetzt. Was als die wichtigsten Veränderungen eingeschätzt wird, ist natürlich subjektiv. Wir haben das unter dem Gesichtspunkt der Kulturpflanzen und der heimischen Flora gesehen. Jemand in den Tropen wird vielleicht andere Schwerpunkte setzen.

Früher wurde das Schwergewicht der Einteilungsprinzipien auf den Blütenbau gelegt, während die anderen Merkmale erst nach und nach mehr Bedeutung erhielten. Das erklärt, warum Familien mit wenig spezifischen Blütenmerkmalen oft große Sammelbecken darstellten. Man hat schon in älteren Botanikbüchern vermutet, dass man diese eigentlich aufteilen müsste. Drei besonders markante Fälle sind die "alten" Liliaceae, Saxifragaceae und Scrophulariaceae. Wir werden diese später jeweils in einem besonderen Beitrag behandeln und hier nicht darauf eingehen. Auch erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, weil es hier und da noch einige weniger ins Auge springende Fälle gibt, besonders in der tropischen Flora. Bei der Einbeziehung früher selbständiger Familien und ihrer Umbenennung zu Unterfamilien lernen wir eine neue Endung kennen: "-oideae".

Nun also folgt in den Beiträgen 6 bis 8 die Aufzählung, wegen ihrer Länge in drei Teile aufgegliedert. Sie erfolgt entsprechend der üblichen Reihenfolge im Pflanzensystem.
Wir haben die einzelnen Fälle nummeriert.

1. Nymphaeaceae (Seerosengewächse). Die alte Familie war eine Sammelfamilie. Drei Familien sind daraus geworden: Cabombaceae (Haarnixengewächse), enthält beliebte Aquarienpflanzen, Nymphaeaceae im engeren Sinne (Seerosengewächse), Nelumbonaceae (Lotosblumengewächse). Letztere erhielt einen ganz anderen Platz im System in der Nähe von Proteusgewächsen und Platanen.


2. Araceae (Aronstabgewächse). Acorus calamus L., der Kalmus, eine Heilpflanze, wurde herausgelöst. Wegen zahlreicher ganz anderer, primitiver Merkmale erhielt er eine eigene Familie Acoraceae (Kalmusgewächse) an der Basis der Einkeimblättrigen. Die Lemnaceae (Wasserlinsengewächse) wurden schon immer an die Araceae angeschlossen und nun, auch wegen der Übereinstimmung der molekularen Daten, in diese einbezogen.



3. Typhaceae (Rohrkolbengewächse) und Sparganiaceae (Igelkolbengewächse) werden von der Angiosperm Phylogeny Group APG und dem Internationalen Pflanzennamen-Index IPNI unter Typhaceae vereinigt, nicht aber von der GRIN-Webseite.

Nachtrag am 26. Mai 2012: Jetzt ist auch bei GRIN die Vereinigung vorgenommen worden.


4. Die "alten" Liliaceae und Amaryllidaceae werden ausführlicher in Beitrag 9 vorgestellt

5. Auch die Orchidaceae (Orchideen) sind nicht von Veränderungen verschont geblieben.
Diese sehr große, stammesgeschichtlich junge Familie ist ungeheuer plastisch, Art- und Gattungsgrenzen sind schwer zu ziehen, und Kreuzungen sind sogar über viele Gattungen möglich. Zwei Gruppen sind jedoch gut unterscheidbar. Sie wurden zeitweilig als eigene Familien abgetrennt, Apostasiaceae (Apostasiengewächse) und Cypripediaceae (Frauenschuhgewächse). Das hat sich aber nicht allgemein durchgesetzt.


6. Die Dioscoreaceae (Yamswurzelgewächse) wurde zeitweise von manchen Systemen, z. B. von von GRIN auf die Gattung Tacca ausgeweitet, die bei APG und IPNI ihren eigenen Familienstatus beibehalten.

Nachtrag am 26. Mai 2012: Jetzt ist bei GRIN diese Ausweitung zurück genommen worden.


7. In der weiteren Bananenverwandtschaft, die ursprünglich einmal als eine Familie Zingiberaceae (Ingwergewächse) aufgefasst wurde (Bentham & Hooker: Genera Plantarum, 1862-1883) hat es einige Veränderungen gegeben. Von den Zingiberaceae wurde die Familie Costaceae (Kostwurzgewächse) abgetrennt.



8. Auch zu dieser "alten" Familie der Ingwergewächse gehörte eine Gruppe, die gekennzeichnet ist durch asymmetrische Blüten. Sie wurde aufgetrennt in Cannaceae (Blumenrohrgewächse)
und Marantaceae (Marantengewächse).


9. Weiter wurde aus den Ingwergewächsen zuerst eine Familie Musaceae (Bananengewächse) heraus gelöst, die später weiter aufgeteilt wurde in Musaceae, Heliconiaceae (Helikoniengewächse) und Strelitziaceae (Strelitziengewächse). Helikonien und Strelitzien sind auch manchmal gemeinsam in die Strelitziaceae eingeordnet worden.



Im nächsten Beitrag Teil 7 folgen die Fälle 10 bis 23.


Berlin, den 13. Juni 2009

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