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Die Geißblattgewächse - Caprifoliaceae

Eine weitere Aktualisierung bei den Pflanzenfamilien

© Dr. Joachim Keller - Quedlinburg

Vor einiger Zeit habe ich über die letzten großen Veränderungen im Pflanzensystem informiert, die von der Angiospermen-Arbeitsgruppe ausgegangen sind. Das betraf Veränderungen, die allgemein bekannt geworden sind, nachdem von Januar bis Dezember 2009 insgesamt 12 Beiträge zum Pflanzensystem auf Hydrotip publiziert worden sind. Dazu habe ich zwei Familien noch einmal besonders betrachtet, die "alten" Liliaceae und die Primulaceae. In einigen der vorher aufgelisteten 36 "wichtigsten" Fälle hatten sich eben doch noch Änderungen ergeben. Dies war hauptsächlich dadurch notwendig geworden, weil die Angiospermen-Arbeitsgruppe dem Argument gefolgt ist, dass weiter gefasste Familienumschreibungen leichter zu handhaben sind als enger gefasste. Diese letzten Veränderungen betrafen also nicht die interne Struktur des Systems, sondern nur die Grenzsetzung. Im Beitrag über die Liliaceae hatte ich dazu ein Schema gezeigt, wie durch unterschiedliche Grenzziehungen im Stammbaum unterschiedliche Familienumschreibungen entstehen.

Das ist auch bei der hier dargestellten Familie das bestimmende Moment. Es betrifft den "Fall 34" der Liste. Damals hatte ich schon von den Erwägungen geschrieben, die Valerianaceae und Dipsacaceae in die Caprifoliaceae einzubeziehen. Diese Erwägungen sind nun doch nicht fallen gelassen worden, wie damals vermutet, sondern haben sich zur neuen Auffassung verfestigt.

Es gibt also in der betreffenden Ordnung der Dipsacales (Kardenartige) nur noch zwei große Familien. Bei den Adoxaceae (Moschuskrautgewächse) ist die Situation so geblieben, wie damals in der Liste geschrieben. Die Familien Diervillaceae, Dipsacaceae, Linnaeaceae, Morinaceae und Valerianaceae sind aber nun endgültig den Caprifoliaceae zugeschlagen worden.

Da durch die Herausnahme der Holunders und des Schneeballs aus den "alten" Caprifoliaceae die Adoxaceae mit betroffen sind, soll zur Verdeutlichung die folgende Übersicht dienen, in der nur die wichtigsten Gattungen genannt sind:


Zu den Adoxaceae - Moschuskrautgewächsen gehören die folgenden Gattungen:
Adoxa (Moschuskraut), Sambucus (Holunder), Viburnum (Schneeball)

1. Schon immer Adoxaceae
Adoxa (Moschuskraut)

2. Früher Caprifoliaceae, jetzt Adoxaceae
Sambucus (Holunder), Viburnum (Schneeball)


Zu den Caprifoliaceae - Geißblattgewächsen gehören die folgenden Gattungen:

1. Schon immer Caprifoliaceae, jetzt Unterfamilie Caprifolioideae (Geißblattgewächse)
Heptacodium (Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch), Lonicera (Geißblatt), Leycesteria (Leycesterie), Symphoricarpus (Schneebeere)

2. Früher Diervillaceae, jetzt Unterfamilie Diervilloideae (Weigeliengewächse)
Diervilla (Amerikanische Weigelie), Weigela (Weigelie)



3. Früher Dipsacaceae, jetzt Dipsacoideae (Kardengewächse)
Cephalaria (Schuppenkopf), Dipsacus (Karde), Knautia (Knautie), Pterocephalus (Scheinskabiose), Scabiosa (Skabiose), Succisa (Teufelsabbiss)



4. Frühere Linnaeaceae, jetzt Unterfamilie Linnaeoideae (Moosglöckchengewächse)
Abelia (Abelie), Dipelta (Doppelschild), Kolkwitzia (Kolkwitzie), Linnaea (Moosglöckchen)

5. Frühere Morinaceae, jetzt Morinoideae (Kardendistelgewächse)
Morina (Kardendistel)

6. Frühere Valerianaceae, jetzt Unterfamilie Valerianoideae (Baldriangewächse)
Centranthus (Spornblume), Valeriana (Baldrian), Valerianella (Feldsalat, Rapunzel)



Dieser dritte "Erneuerungsfall" ist vorläufig auch der letzte, den wir hier behandeln müssen.

Es scheint so, also ob die große Umgestaltungswelle der Pflanzenfamilien erst einmal zu einem gewissen Abschluss gekommen ist. Mark Chase von Kew Gardens, einer der wichtigsten Vertreter der Angiospermen-Phylogenese-Gruppe, schrieb dazu (Übersetzung Keller):
"Die Zukunft: Eine der Hauptfragen des APG-Systems der Klassifizierung ist seine Stabilität. … Die Befunde, die im Laufe der zehnjährigen phylogenetischen Studien über die Blütenpflanzen erhoben wurden, sind bemerkenswert übereinstimmend. Ein System, welches auf einer solchen Basis aufgebaut ist, ist sehr wahrscheinlich stabil."
Natürlich sei damit zu rechnen, dass es die eine oder andere Umordnung von einzelnen Arten oder Gattungen noch geben könne. Das bringt einfach der Fortschritt in den weiteren Untersuchungen mit sich. Auch die Großgruppierung der Familien in den höheren Ebenen des Systems ist noch nicht in jedem Falle klar. Aber die für den großen Kreis der Interessenten doch recht wichtige Familienzuordnung unserer Pflanzen geht einer neuen Stabilität entgegen, was wir alle begrüßen. Bei aller spannenden und interessanten Entwicklung ist doch eine gewisse Sicherheit im Umgang mit unserer Terminologie auch irgendwie beruhigend. Und das geschieht jetzt auf einem viel höheren Niveau der Sicherheitszuordnung als früher, nicht zuletzt auch dank der neuen molekularen Analysentechniken.

Eine Galerie mit Bilder von Pflanzen aus der Familie Geißblattgewächse - Caprifoliaceae finden Sie hier.

Berlin, den 21. Januar 2012




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