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So werden Kakteen gedüngt

Die Meinung, daß man Kakteen nicht düngen sollte ist falsch! Lesen Sie hier warum!

© M. Pauwels

Man findet vereinzelt immer noch die Meinung vertreten, daß man Kakteen nicht düngen dürfe, weil sie sonst zu mastig wachsen würden. Diese Ansicht ist falsch. Die Kakteen wachsen in tropisch heißen Gebieten oder zum Teil in Gebieten mit großen Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter oder auch zwischen Tag und Nacht. Dort ist die Verwitterung der Heimatböden sehr stark und damit werden die Nährstoffe für die Pflanzen in reichem Maße und schnell aufgeschlossen. So gibt es Böden, wo es durch die Verdunstung des aufsteigenden Grundwassers, das gelöste Mineralsalze mit sich führt, zu regelrechten Ausblühungen und Kristallisationen von Salzen an der Oberfläche kommt. Es ist also richtig, und der Erfolg beweist das, wenn wir unseren Pflanzen reichlich Nährsalzgüsse geben. Schließlich haben sie in unseren Töpfen und Schalen nur einen kleinen Bruchteil der Erdmenge zur Verfügung gegenüber der, in die sie am Heimatstandort ihre Wurzeln entsenden können. Wichtig aber ist es, wie wir düngen.

Zusammensetzung der Kakteendünger
Für jede Pflanze sind zu gutem Wachsen und Gedeihen bestimmte Mineralstoffe unentbehrlich. Die Hauptnährstoffe sind Stickstoff (chemisches Kurzsymbol N), Phosphor (P), Kalium (K), Schwefel (S), Calcium (Ca) und Magnesium (Mg). Dazu kommen die Spurenelemente, die zwar unentbehrlich sind, von denen aber nur winzige Mengen benötigt werden, zum Beispiel Bor, Eisen, Kobalt, Kupfer, Mangan, Molybdän und Zink. Der Bedarf der verschiedenen Pflanzenarten an den genannten Nährstoffen und Spurenelementen ist nicht einheitlich. Die Kakteen wachsen in Anpassung an die in ihrer Heimat gegebenen Vegetationsbedingungen langsam und gedrungen. Ihr Gesamtwachstum ist viel geringer und langsamer als das anderer Pflanzen.
Nun wird das Wachstum der Pflanzen vor allem durch Stickstoff angeregt und gefördert. Die zur Kakteendüngung verwendeten Nährsalze müssen stickstoffarmer sein, als die für andere Pflanzen verwendeten Nährsalze. Stickstoffreiche Dünger führen zunächst zwar zu üppigem Wachstum auch bei Kakteen, die Pflanzen werden aber mastig und für Krankheiten äußerst anfällig. Die Bedornung ist dünn und farblos, und die Blühwilligkeit schwindet.

Bei einem guten Kakteennährsalz muß der Stickstoffanteil unter 8 % liegen. Daher sind übliche Garten- oder Blumenvolldünger für Kakteen ungeeignet. Nur die von manchen Firmen im Gegensatz zu sogenannten Wachstumsdüngern herausgebrachten Blütendünger oder aber besser besondere Kakteendünger können dagegen Verwendung finden. Sämlinge und in gute Erde noch nicht zu lange umgepflanzte Kakteen brauchen zunächst überhaupt keine Stickstoffgaben. Sie finden die von ihnen benötigten Stickstoffmengen in der Erde. Außerdem bringen wir durch Ansäuern des Gießwassers mit Salpetersäure leicht aufnehmbaren Stickstoff in Form von Nitraten in die Erde. Lediglich sehr wüchsige Kakteen wie manche Opuntien, Säulenkakteen oder Echinopsis-Arten können in größeren Abständen auch einmal eine kräftige, stickstoffreichere Düngung erhalten.


Von großer Bedeutung für ein gesundes Wachstum sind Phosphor und Kalium. Eine gute Versorgung mit diesen beiden Nährstoffen begünstigt kräftiges, gedrungenes Wachstum und steigert die Blühwilligkeit und die Widerstandskraft der Pflanzen, auch gegen tierische und pflanzliche Schädlinge sowie gegen Kälte. Ein guter Kakteendünger sollte daher einen überdurchschnittlichen Anteil an Phosphor und Kalium enthalten. Besonders erwähnt sei noch das Calcium (Ca}}, das von vielen Kakteenfreunden als bedeutsam für den Aufbau einer kräftigen und farbigen Bedornung angesehen wird. Hinreichend Calcium wird oft schon durch das kalkhaltige Gießwasser zugeführt. Zusätzliches Calcium darf nicht in einer Form gegeben werden, die die Erde alkalisch machen könnte. Hier empfiehlt es sich, ab und zu dem Gießwasser oder aber der Erde etwas Düngegips beizugeben. Auch kann gelegentlich im Gießwasser etwas Superphosphat aufgelöst werden.

Dieses Düngemittel reagiert sauer; es enthält Gips und liefert den Kakteen zudem Phosphor und Schwefel. Es gibt viele Rezepte für Kakteendünger. Dem Anfänger sei davon abgeraten, seinen Kakteendünger aus den Grundstoffen selbst zusammenzustellen. Die Reaktion der einzelnen Mineralsalze miteinander und im Boden ist oft auch für Fachleute nur schwer zu durchschauen. Zudem sind die Grundstoffe oft nicht leicht zu beschaffen, und ihre genaue Mischung erfordert eigentlich eine Feinwaage, insbesondere bei den Spurenelementen. Viel einfacher ist es, entweder einen bewährten käuflichen Kakteendünger zu verwenden oder sich den Kakteendünger aus zwei oder drei allgemein erhältlichen, preiswerten und miteinander verträglichen Düngern selbst zusammenzumischen. Nachfolgend sei ein Beispiel für eine derartige Mischung gegeben, die inzwischen vielfältig erprobt wurde
Poly-Fertisal:



Bei Mischung von gleichen Teilen Poly-Fertisal und Kaliumphosphat ergibt sich ein Dünger, der 4 % Stickstoff, 33 % Phosphor und 26 %Kalium sowie viele wesentliche Spurenelemente enthält. Diesen Mischdünger verwendet man im Regelfall in einer Konzentration von 1 Gramm Dünger je Liter Gießwasser während der Vegetationszeit. Das Mischungsverhältnis Poly-Fertisal zu Kaliumphosphat kann je nach Jahreszeit und Zustand der Kakteen verändert werden. Mit steigendem Anteil des Poly-Fertisals wird der Dünger stickstoffreicher, mit steigendem Anteil des Kaliumphosphats stickstoffärmer und reicher an Kalium und Phosphor. Manche Kakteenfreunde fügen bereits ihrem Erdsubstrat eine gewisse Vorratsdüngung zu. Übliche Einheitserde ist bereits vorgedüngt. Wird jedoch durch Beigabe von viel Perlite, Sand, Splitt, Bimskies und anderen nährstofflosen Zuschlägen das Erdsubstrat sehr mager, so kann auf 10 Liter Erdsubstrat ein gehäufter Eßlöffel Peru-Guano beigegeben werden. Auf eine anschließende gute Durchmischung ist zu achten. Peru-Guano ist ein etwas einseitig wirkender Dünger mit relativ hohem Phosphor-, aber vergleichsweise niederem Kalium-Anteil. Die Vorratsdüngung mit Peru-Guano sollte daher durch eine laufende Düngung mit anderen Düngern ergänzt werden. Manchmal wird empfohlen, der Erdmischung als Vorratsdünger auch Thomasphosphat (Thomasmehl) beizugeben. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da Thomasphosphat durch seinen Gehalt an Calcium-Oxiden alkalisch reagiert.

Wann und wie oft ist zu düngen
Kakteen sollten grundsätzlich nicht in der Ruhezeit gedüngt werden, auch nicht kurz davor oder kurz danach. Vor der Ruheperiode müssen die Kakteen ihren Trieb abschließen und sollten nicht zu neuem Wachstum angeregt werden. Aus den gleichen Gründen verbietet sich eine Düngung in der Ruhezeit. Da auch auf völlig trockenen Wurzelballen nicht gedüngt werden sollte, wird man die erste, vorsichtige Bewässerung nach der Ruheperiode ebenfalls ohne Dünger durchführen. In der Vegetationsperiode, d. h. im allgemeinen von April/Mai bis Anfang/Mitte August, kann grundsätzlich bei jeder Bewässerung und damit etwa alle 10 bis 20 Tage gedüngt werden. Hierzu löst man die in der Gebrauchsanweisung für den Dünger empfohlene Menge Nährsalz im Gießwasser auf. Im Regelfall ist etwa 1 Gramm Nährsalz je Liter Gießwasser zu empfehlen. Es gibt auch flüssige Dünger, die mit Hilfe eines Meßbechers - der oft in die Verschlußkappe der Packung eingearbeitet ist - dosiert werden. Mit Gießwasser, in dem Nährsalze aufgelöst sind, sollten die Pflanzen möglichst nicht übersprüht werden, da sonst unschöne Rückstände auf Pflanzenkörper und Dornen zurückbleiben können.


Epiphyten

Von unserer Warnung vor stickstoffreichen Düngern sind Epiphyten ausgenommen. Epiphyten wachsen am Heimatstandort im stickstoffreichen Mulm der Baumkronen. Daher können sie mit stickstoffreicheren Düngern, also mit den im Handel befindlichen üblichen Blumendüngern gegossen werden. Dies gilt auch für die starkwüchsigen Selenicereen, die ebenfalls meist im Humus wurzeln. Aber auch bei diesen humuswurzelnden Epiphyten sollte man nicht immer nur Blumendünger geben, sondern mit Kakteendünger abwechseln. Man kann bei ihnen der Pflanzenerde auch Peru-Guano beifügen, wobei man sich an die beigegebene Gebrauchsanweisung hält, aber einen gehäuften Eßlöffel auf 3 Liter Erdmischung nicht überschreitet.



Berlin, den 10. Mai 2004

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