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Meister Goethe und das Brutblatt

Der Dichterfürst und seine besondere Beziehung zu einer Pflanze

© Jörg Hölzer, Saarbrücken

Ab der ersten Begegnung mit dem Brutblatt (1818) hatte Goethe eine besondere Beziehung zu dieser Pflanze. So zeigte er sie seinem Landesvater, Dienstherren und Freund Carl August von Weimar nicht sofort bei der Ankunft in Weimar, sondern übergab ihm Monate später ein Exemplar als Neujahrsgeschenk.


Goethe war um das Wohlergehen seiner Pflanzen sehr besorgt. Um sie auch bei seinen Freunden in bester Pflege zu wissen gab er z.B. seiner Freundin Marianne von Willemer, die er nach der Arbeit am "West-östlichen Divan" (vgl. Ginkgo biloba) übrigens nie wieder traf, folgende Ratschläge mit:

Was erst still gekeimt in Sachsen,
Soll am Maine freudig wachsen.
Flach auf guten Grund gelegt,
Merke, wie es Wurzel schlägt!
Dann der Pflanzen frische Menge
Steigt in lustigem Gedränge.
Mäßig warm und mäßig feucht
Ist, was Ihnen heilsam deucht.
Wenn Du´s gut mit Liebchen meinst,
Blühen sie Dir wohl dereinst.
          Weimar, den 12. November 1826

An den befreundeten Kunsthistoriker Sulpiz Boissereé sandte er zwei keimende Blätter mit dem Hinweis:

Die Pflanze verlangt alles mäßig, Wärme und
Feuchtigkeit, Frost verträgt sie nicht.
Weimar, den 15. September 1826

Leider halfen die guten Ratschläge wenig: Sowohl Frau von Willemer als auch Boissereé erbaten später von Goethe neue Blätter, da ihnen die Pflanzen eingegangen waren.

Beide Beschenkten hatten der Überlassung von keimenden Blättern wohl nicht den Wert beigemessen, den Goethe selbst in dieser Geste sah. Mit fortschreitender Dauer der Beschäftigung mit dem Brutblatt und mit zunehmendem Alter (Goethe war 77 Jahre alt) war es ihm aufgrund der besonderen Eigenschaften immer mehr zu einem Symbol für eine ewige, sich stets erneuernde Freundschaft und ein Gleichnis für die Unvergänglichkeit geworden.


Dies kommt auch in einem Gedicht zum Ausdruck,
dem er zwei neuen Blättern für Frau von Willemer beilegte:
Wie aus einem Blatt unzählig
Frische Lebenszweige sprießen:
Mögst in einer Liebe selig
Tausendfaches Glück genießen.
          Weimar, den 14. April 1830

Mehr Informationen über diesen großen Deutschen finden Sie bei Wikipedia

Eine Pflanzen- und Pflegebeschreibung für das Brutblatt finden Sie hier.

Berlin, den 14. Juli 2006

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