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Gießwasserqualität in der Raumbegrünung

Untersuchungen aus der Forschungsanstalt Geisenheim

Raumbegrüner treffen in der Praxis bei den einzelnen Objekten sehr unterschiedliche Gießwasserqualitäten an. Zu einer guten fachlichen Praxis gehört es in jedem Einzelfall die Düngung darauf abzustimmen. Umso erstaunlicher ist, wenn sich bei Nachfragen nicht selten herausstellt, dass dem Betrieb die Wasserqualität nicht bekannt ist oder wenn doch, keine Beachtung findet.
Die Form des Nährstoffangebotes wird in diesen Fällen ausschließlich nach dem Pflegeintervall oder unter dem Kostenaspekt durchgeführt. Teilweise wird die Ermittlung der Kenndaten der Gießwasserqualität als zu aufwendig und teuer, deren Umsetzung im Einzelfall als zu kompliziert angesehen.

Hinzu kommt das Argument, dass die Auftraggeber eher bereit sind den Austausch von ausgefallenen Pflanzen, als eine fachgerechte Pflege zu bezahlen. Bei der Gießwasserqualität liegen somit Theorie und Praxis weit auseinander. Dass Begrünungen dadurch bedingt häufig schlecht aussehen, wird dabei ebenso in Kauf genommen, wie der dadurch unweigerlich verursachte Imageschaden.

Muss das wirklich so sein?
In einer experimentellen Diplomarbeit am Fachbereich Geisenheim der Fachhochschule Wiesbaden wurde in Zusammenarbeit mit einer Raumbegrünungsfirma dieser Frage nachgegangen. Im Einzelnen sollten dabei folgende Fragen geklärt werden:

Insgesamt wurden 84 Objekte, überwiegend im Großraum Frankfurt- Wiesbaden-Mainz, in die Untersuchungen einbezogen.

Wie kommt der Betrieb an die notwendigen Informationen?

Sofern es sich um Trinkwasser aus dem Leitungsnetz eines regionalen Versorgers handelt, liegen alle notwendigen Daten dort vor und werden den Kunden auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. Häufig findet man diese Daten auch auf der jeweiligen Internetseite der Stadt oder den Stadtwerken eingestellt. Es besteht somit zunächst keine Notwendigkeit kostenintensive eigene Untersuchungen durchführen zu lassen.

Die Datenblätter erscheinen zunächst verwirrend, da sie eine große Anzahl von Parametern enthalten, die für die Beurteilung als Trinkwasser relevant sind. Aus pflanzenbaulicher Sicht sind meist nur folgende Kenndaten von Interesse:


Mit Hilfe dieser wenigen Parameter kann entschieden werden, ob das Wasser als Gießwasser für Pflanzen grundsätzlich geeignet ist und ob Ionenaustauscherdünger oder Flüssigdünger eingesetzt werden kann, oder der Einsatz von Kalksalpeter in Verbindung mit einem Basisdünger erforderlich ist. Zu beachten ist, dass die Werte die Zusammensetzung des Trinkwassers bis zur Wasseruhr wiedergeben. Was danach geschieht liegt in der Verantwortung des Hauseigentümers.

Hier kann eine Anreicherung von Schwermetallen (Kupfer, Zink) infolge Korrosion der Wasserleitungen erfolgen, oder eine massive Veränderung durch hauseigene Enthärtungsanlagen. Dem muss im begründeten Einzelfall nachgegangen werden, was in der Regel zusätzlicher Untersuchungen bedarf, die dann Kosten verursachen.

Wie zuverlässig sind die Informationen zur Gießwasserqualität?

Der Vergleich zwischen den von Wasserwerken zur Verfügung gestellten Werten und der Eigenmessung ergab bei den 41 insgesamt untersuchten Objekten meist eine hohe Übereinstimmung. Dennoch zeigten sich im Einzelfall deutliche Abweichungen, die durchaus von praktischer Bedeutung sein können.

So wurde in fünf Fällen bei der Leitfähigkeit eine Differenz von etwa 250 bis 320 µS gemessen, was immerhin einer Abweichung zwischen 32 und bis zu 80 % von dem durch das Versorgungsunternehmen angegebenen Wert entsprach.

Erheblich waren in 5 Fällen auch die Abweichungen in der Säurekapazität, die zwischen 2 und 3,6 mmol/l betrugen. Bei der Ca-Konzentration gab es Abweichungen bis zu 2,1 mmol/l. Es wirkt sich erheblich aus, wenn statt der angegebenen 2,9 mmol/l tatsächlich nur 0,8 mmol/l Ca vorhanden sind. Dazwischen liegen Welten, wenn es darum geht zu entscheiden, ob Flüssigdünger oder Ionenaustauscherdünger eingesetzt werden können. Meist waren in den kritischen Fällen die Ca-Gehalte tatsächlich deutlich niedriger, als angegeben.

Weniger gravierend waren in dieser Untersuchung die Abweichungen beim Natriumgehalt. Nur in einem Fall war der Natriumgehalt bei der Kontrollanalyse mit 3,9 mmol/l deutlich höher, was die Vermutung einer Natriumenthärtung aufkommen lässt. In 7 Fällen waren die Chloridgehalte zwischen 1 und 1,6 mmol/l höher als angenommen.

Beim Sulfatgehalt des Gießwassers waren in einem Fall statt der erwarteten 1,5 mmol/l nur 0,5 mmol/l enthalten. Es muss somit in einzelnen Fällen mit nennenswerten Abweichungen von den Angaben der Wasserwerke gerechnet werden. Möglicherweise handelt es sich um zeitlich begrenzte Ausreißer. Bei Wassermangel mischen die Versorgungsunternehmen schon mal Wasser anderer Herkunft zu. Die Kunden werden darüber nicht informiert. Um dem zu begegnen sind regelmäßige Eigenmessungen zumindest der Leitfähigkeit und der Säurekapazität anzuraten und zu protokollieren.

Wie unterschiedlich ist das Gießwasser verschiedener Objekte?

Die vorliegende Untersuchung macht erneut deutlich, dass die Unterschiede in der Gießwasserqualität zwischen einzelnen Objekten beträchtlich sein können. In den Abbildungen 1-4 ist dies am Beispiel der jeweiligen Häufigkeitsverteilung von vier wichtigen Parametern dargestellt, die als Entscheidungsgrundlage dafür dienen, welche Düngerform eingesetzt werden kann. So setzt der Ionenaustauscherdünger eine gewisse Leitfähigkeit voraus, damit ausreichend Nährstoffe ausgetauscht werden können. Unter 600-800 µS, also in 53 % der Fälle, ist dies im vorliegenden Fall nicht sicher gewährleistet.

Im Hinblick auf die Säurekapazität, also der Konzentration an alkalisch wirkenden HCO3-Ionen dürfte der Ammoniumgehalt im Ionenaustauscherdünger ab 3-4 mmol/l zu gering sein, um den pH-Anstieg zu verhindern. Dies gelingt eher mit Flüssigdüngern, die meist etwa 50 % des Gesamt-N als Ammonium enthalten. Diese dürften hingegen bei SBV-Werten unter 3-4 mmol/l zu sauer eingestellt sein. Eine entscheidende Rolle spielt der Ca-Gehalt des Gießwassers.

Flüssigdünger enthalten kein Calcium und sind deshalb für Gießwässer mit weniger als 2 mmol/l bedingt und unterhalb von 1 mmol/l Ca nicht geeignet.

Ionenaustauscherdünger sind in diesen Fällen erst recht nicht geeignet, weil sie zusätzlich Ca binden. Hier sollten mindestens 3 mmol/l Ca im Wasser enthalten sein, damit für die Pflanze noch etwas übrig bleibt. Für weiche Wässer mit Ca-Gehalten unter 1-2 mmol/l muss zwingend Kalksalpeter eingesetzt werden, also das Basisdüngersystem zum Einsatz kommen.

Im vorliegenden Beispiel wäre dies in 34,6 % der Fälle notwendig gewesen. Dies auch, um den pH-Wert auf einem verträglichen Niveau zu halten.

Meist keine Beachtung findet der Sulfatgehalt des Gießwassers, obwohl Schwefel ein Makroelement ist und von der Pflanze in ähnlicher Größenordnung aufgenommen wird, wie Phosphor. Etwa 1 mmol/l sollte der Pflanze in der Nährlösung zur Verfügung stehen. In etwa 87 % der untersuchten Objekte war diese Menge nicht im Gießwasser enthalten. In Verbindung mit einem Ionenaustauscherdünger ohne Zusatz von Dolomit und Gips wird auch diese geringe Menge noch gebunden und der Pflanze vorenthalten. Die geringe Bereitschaft der Praxis den mit Dolomit und Gipszusatz verbesserten Ionenaustauscherdünger einzusetzen, ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar.

Auch Flüssigdünger enthalten teilweise keine ausreichenden Sulfatmengen, weshalb sich ein Blick in die Deklaration des Düngers empfiehlt. Diese Bewertung macht deutlich, dass es keinen Dünger für alle Fälle geben kann. Basisdünger plus Kalksalpeter, Flüssigdünger, Ionenaustauscherdünger und Ionenaustauscherdünger plus Zusatz von Dolomit und Gips, können nur in jeweils mehr oder weniger engen Grenzen ihre volle Leistung entfalten.

"Das Nichtbeachten der Gießwasserqualität"
stellt bei der Pflege von Innenraumbegrünungen immer noch einen der gröbsten Fehler dar.


Auch wenn die Auswirkungen sich meist nicht unmittelbar, sondern erst über einen längeren Zeitraum zeigen, ist dieses Verhalten nicht entschuldbar und zeugt von keiner guten fachlichen Praxis. Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass das Risiko einer Fehlernährung groß ist. Dabei ist es in den meisten Fällen einfach und kostengünstig an die entsprechenden Daten zu kommen. Lediglich die Umsetzung in konkrete Vorgaben für das Pflegepersonal für jedes einzelne Objekt erfordert einmalig einen gewissen Aufwand. Die Pflanzen werden es durch optimales Aussehen und lange Haltbarkeit sicher danken.

Die Untersuchungen wurden im Rahmen einer experimentellen Diplomarbeit von Dennis Hölzer durchgeführt.

 ©   Dr. Heinz-Dieter Molitor

Berlin, den 24. Juli 2010

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